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Auf Einladung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e. V. (DAGV) und des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde e. V. (BLF) kommen in diesen Tagen die in Vereinen organisierten wie nicht-organisierten Genealogen auf dem 64. Deutschen Genealogentag in Augsburg zusammen. Einmal im Jahr ist dies der Höhepunkt der Genealogie in Deutschland. Dieses Mal feiert der Bayerische Landesverein für Familien-kunde zugleich seinen 90. Geburtstag. Es treffen sich Genealogen, um sich im Rahmen einer großen Ausstellung und in Fachvorträgen über neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse auszutauschen sowie zugleich persönliche überregionale Kontakte zu pflegen. Der Deutsche Genealogentag wird zum Treffpunkt der Generationen. Seit der Gründung im Mai 1949 haben sich in der DAGV Vereine und Verbände zusammengeschlossen, um familiengeschichtliche Forschungen voranzubringen und zugleich gemeinsame Interessen zu vertreten. Mit dieser Augsburger Erklärung der DAGV bekräftigt der Dachverband seinen Willen, die Aufmerksamkeit auf regionale und überregionale Themenbereiche zu lenken.
Die DAGV ist als gemeinnützige Vereinigung dem Gemeinwohl verpflichtet. Aufgabe der Genealogie heute ist die Bewahrung der Familiengeschichte als Teil unseres kulturellen Erbes, das über Erforschung und Dokumentation gepflegt wird. Die soziale Dimension dieser demokratischen Erinnerungskultur ist dabei nicht hoch genug einzu-schätzen. Die Familiengeschichte hält Familien und Generationen zusammen. Hierzu leisten Genealoginnen und Genealogen innerhalb und außerhalb der zumeist lokal verwurzelten Vereine einen einzigartigen Beitrag. Gerade deshalb betrachten wir einige Entwicklungen mit großer Sorge: Durch das Personenstandsreformgesetz von 2009 ist das Schicksal der sog. standesamtlichen Bei- und Belegakten vielfach ungeklärt bzw. diese stehen in der Gefahr, unwiederbringlich vernichtet zu werden. Wir befürchten einen flächendeckenden Verlust wertvoller Ak-tenbestände und damit einen Verlust dieses einzigartigen genealogisch-personengeschichtlichen Quellenmateri-als. Die Akten der Einwohnermeldeämter werden zukünftig noch dazu kommen. Die Möglichkeit, Sozialdaten der Renten- und Sozialversicherung u. a. staatlicher Einrichtungen für kommende Generationen zu sichern, ist nicht abschließend diskutiert. Wir haben als Genealogen sehr wohl Verständnis für die finanziellen und personellen Nöte der (kommunalen) Archive. Wir können diese negativen Entwicklungen aber nicht mehr hinnehmen, wir können und wollen zu dieser Situation nicht mehr schweigen.
Wir wenden uns mit dieser Augsburger Erklärung der DAGV an die deutsche Öffentlichkeit, an die Medien sowie in Kürze an alle 16 Landesregierungen und –parlamente, den Bundestag und weitere Ansprechpartner im Bund. Wir wollen nicht nur mehr Genealogie wagen, sondern wir wollen alle Beteiligten an ihre Verantwortung erinnern! Wir meinen, wir Genealogen dürfen nicht mehr schweigen – die Schredder dürfen nicht das letzte Wort haben. Dem Dachverband der Genealogie in Deutschland fällt naturgemäß die Aufgabe zu, sich dieser Frage konse-quent anzunehmen. Die DAGV, die rund 22.500 organisierte Genealoginnen und Genealogen ihrer Mitgliedsver-eine repräsentiert, versteht sich auf dem erwähnten Gebiet als Mittler des Dialogs widerstreitender Interessen. Wir rufen alle Verantwortlichen dazu auf, ihre Entscheidungen zur Vernichtung der erwähnten Aktenbestände nicht zu überstürzen. Wenn man sich seitens der Archive von diesen Archivalien meint trennen zu müssen, rufen wir weiter dazu auf, vorher den Kontakt mit den genealogischen Vereinen zu suchen, die in diesen Dingen aus-gewiesene Experten haben. Wir fordern also nicht nur, sondern die genealogischen Vereine in Deutschland ste-hen als Teil einer Problemlösung zur Verfügung! Aus diesem Grunde wird die DAGV zu einem „Runden Tisch“ laden, um eine zielführende Diskussion kurzfristig und intensiv in Gang zu setzen!
Wir wollen als Genealogen keine geschichtslose Gesellschaft und wir sehen deshalb auch die öffentliche Hand in der Frage dieser „kulturellen Daseinsfürsorge“ in der Pflicht. Wir nehmen als geschichtsinteressierte Bürger unse-re gesellschaftliche Verantwortung ernst, in dem wir uns im Rahmen unseres gemeinwohlorientierten Engage-ments zu Wort melden und konkrete Hilfe anbieten. Wir sind stolz darauf, dass die genealogischen Vereinigungen in Deutschland über ihre Mitglieder ehrenamtlich einen wichtigen generationsübergreifenden Bildungsauftrag wahrnehmen, in dem sie alle Interessierten an familiengeschichtliche Fragen heranführen. Die Genealoginnen und Genealogen leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Hierfür brau-chen wir Quellen, die auch kommenden Generationen noch zur Verfügung stehen. Dies ist unsere Mission, die wir konsequent verfolgen werden!
Der Vorstand der DAGV
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