*) Hierzu bitte im Mitgliederbereich anmelden.
Aktuelle Artikel im Blog:

Der Titel enthält einen Druckfehler (Börnchen statt Börnichen), wie er nicht vorkommen darf, leider aber manchmal doch passiert. Auch im Impressum muß der Name des Spenders, mit dessen Unterstützung dieses - und auch bereits das vorangegangene Ortsfamilienbuch der AMF gedruckt worden ist - auf Dr. med. G. Haackert in Kaufungen korrigiert werden.
Vor Jahrzehnten hatte die „Zentralstelle für Genealogie in der DDR“ in Leipzig, die trotz ihrer kargen Ausstattung stets bemüht war, langfristig sinnvolle Arbeiten zu fördern, von dem verdienstvollen sächsischen Genealogen Alfred Maschke u. a. eine Kirchenbuchabschrift der Kirchgemeinde Waldkirchen erworben. Auf dieser Grundlage konnte Frau Lorenz in einem ABM-Projekt der Zentralstelle mit der familienweisen Zusammenstellung der Daten beginnen, und sie hat die Arbeit (da die ABM-Zeit dafür nie ausgereicht hätte) dankenswerterweise in langen zusätzlichen Stunden zu einem eindrucksvollen Abschluß gebracht, über den wir alle hocherfreut sein dürfen. Das Buch hätte ebensogut oder im Impressum zusätzlich auch als Band 17 der „Schriften der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig“ ausgewiesen werden können, jedoch dürfen die mitteldeutschen Genealogen der AMF und dem vorerwähnten Förderer dankbar sein, daß durch dieses Zusammenwirken eine preiswerte Drucklegung möglich geworden ist. - Aufbau und Druckbild der Arbeit sind klar und eindeutig, übersichtlich und gut lesbar.
Da zum Kirchspiel Waldkirchen auch die frühindustriellen Siedlungen Zschopenthal und Neunzehnhain gehören, und die Kirchenbücher - wenn leider auch nicht lückenlos - bis 1548 zurückreichen, dürfte dieses Ortsfamilienbuch für die fortgeschrittenen Familiengeschichtsforscher im mittleren Erzgebirge zu einer wahren Fundgrube werden. Bekanntlich sind derart weit zurückreichende Kirchenbücher oft lakonisch, und die Bearbeiterin stand bei der Zusammenstellung der Familien wiederholt vor großen Problemen, über die sie sich in den „Hinweisen für den Benutzer“ freimütig äußert. „Verwandtschaftliche Verkettungen habe ich nur in Fällen vorgenommen, wo es eindeutig schien.“ D. h., der Forscher, der für einen einzelnen Stamm auf die Gerichtshandelsbücher als weitere Quelle zurückgreifen kann, wird teilweise zu ergänzenden Ergebnissen und sogar Korrekturen gelangen. Solche möglichen Ergänzungen schmälern die Leistung der Bearbeiterin in keiner Weise, ja dürften sogar das Ziel einer späteren Neubearbeitung unter Einbeziehung der Gerichtshandelsbücher und der später ja auch einmal vorliegenden Ortsfamilienbücher der Nachbargemeinden sein.
Die häufigsten Familiennamen in der Kirchgemeinde sind Auerbach, Beyer (Beier), Bertram (in vielen Schreibweisen), Enger, Findeisen, Kluge, Lange, Morgenstern, Öhm (Öhme), Otto (Otte), Richter, Römler, Sprung, Steiner, Stülpner, Ulm (Uhlmann), Wagner (Waner) und Weinolt. Verwandtschaftliche Beziehungen bestehen vor allem nach Borstendorf, Dorfschellenberg, Krumhermersdorf, Lengefeld, Marbach, Wünschendorf und Zschopau. Das Berufsverzeichnis weist in dieser historisch frühen Neuzeit, neben vielen anderen Berufen, jeweils eine größere Zahl von Blaufarbenarbeitern, Händlern, Leinewebern, Müllern, Schmieden, Schneidern und Zimmerleuten aus, so daß dieses Ortsfamilienbuch auch für eine gründliche sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Analyse der Kirchgemeinde eine unerläßliche Grundlage geschaffen haben dürfte. „Die Landwirtschaft war offensichtlich nicht ergiebig genug, um die Familien zu ernähren, und so findet man häufig in den Kirchenbucheinträgen die Verbindung ‘Hüfner und Tischler’ oder ‘Hüfner und Händler’. Die Kirchenbücher sind nur eine bescheidene Quelle. Oft werden die Berufsbezeichnungen nur angegeben, um Personen gleichen Namens zu unterscheiden. Es entwickelte sich früh eine bäuerliche Nebenerwerbsquelle, die Herstellung der ‘hölzernen Ware’. ... Später enwickelte sich ein Handelsleutestand (zuerst in Grünhainichen) als Vorläufer der Verleger“, schreibt die Verfasserin in ihrer Einleitung.
Jeder Forscher ist gut beraten, wenn er die in seinem engeren und weiteren Forschungsgebiet erscheinenden Ortsfamilienbücher kauft und systematisch sammelt. Wenn auch das Verständnis der übergeordneten Leitungen in Staat und Kirche für derartige Bücher oft gering ist und die Arbeit statt gefördert, manchmal eher behindert wird, so ist doch der Beschäftigungsdrang einer immer qualifizierteren Laienforschung, deren Ergebnisse auch vor der Fachwissenschaft Bestand haben, nicht aufzuhalten und das OFB Waldkirchen ein weiterer schöner Beleg dafür.
Volkmar Weiss, in Familie und Geschichte 8. Jahrgang, H. 3 (1999) S. 334-335