Neuenbürg

Ernst Hahner: Ortssippenbuch der ehemaligen Oberamtsstadt Neuenbürg mit kirchlichem Filial Waldrennach (Enzkreis), erstellt aufgrund der örtlichen Quellen 1558-1900 unter Berücksichtigung weiterer Nachweise ab 1310, (Schriftenreihe d. Kreisarchivs 4; Württ. Ortssippenbücher Bd. 38, DOS Reihe A, Bd. 227), Pforzheim: Kreisarchiv Enzkreis (s.o.), 1997, geb., 684 S., ISBN 3-9803570-5-8.

Dieses OFB, in kollossaler Aufmachung erschienen, enthält nicht allein die Familien A-Z in ausgezeichnetem, übersichtlichem Druckbild, sondern neben Einleitung, den Bezirks- und Ortsvorstehern, den evangelischen Pfarrern in Neuenbürg und Waldrennach, ein sehr nützliches Glossar und eine beeindruckende Dokumentation der historischen Grabmale Neuenbürgs von Elke Osterloh, Barbara Bier, Konstantin Huber und Jürgen H. Staps. Besonderer Erwähnung wert ist der Beitrag von Konstantin Huber: „Die Bevölkerungsentwicklung von Neuenbürg und Waldrennach seit dem Spätmittelalter. Ein Ansatz zur historischen Demographie einer württembergischen Oberamtsstadt“ (S. 595-618). Huber zerlegt die Einwohnerzahlen zunächst in eine natürliche und eine räumliche Bevölkerungsbewegung. Es wird deutlich, wie fruchtbar die sozialstatistischen Daten für Aussagen zur allgemeinen Geschichte werden können. Neuenbürg lag mit seinem Bevölkerungswachstum beispielsweise stets deutlich über dem württembergischen Durchschnitt. Aber auch hier spiegeln sich in Zahlen der Geburten, der Sterbefälle und der Eheschließungen Krisen, Kriege, Nöte, Aufschwung und Wohlstand. Huber hebt hervor, daß als Ergebnis seiner Zählungen das Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert zu 70% auf dem eigenen Geburtenüberschuß und nur zu 30% auf Zuwanderung beruhte. Der Zuwanderungsanteil erklärt sich aus der prosperierenden Holzwirtschaft in Neuenbürg. Ab dem zweiten Jahrhundertdrittel des 19. Jahrhunderts fällt die Zuwachsrate der Bevölkerung dann wegen der deutlich steigenden Abwanderungsquote erheblich niedriger aus. Er ermuntert die Geschichtswissenschaft nun anhand des vorliegenden OFB der Ursachenforschung im Detail nachzugehen und die Individualschicksale zur Grundlage zu machen. Ein Aufruf, der auch an alle Familienforscher vor Ort geht.

Lupold v. Lehsten, in: Hessische Familienkunde Bd. 25, 2000, Sp. 178-179.

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