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Als verschiedene Organisationen sich 1936 das Ziel stellten, für alle Dörfer des deutschsprachigen Bücher zu erarbeiten, in denen alle Personen, die seit Beginn der Kirchenbuchführung in den Kirchenbüchern genannt worden sind, familienweise geordnet werden, stellte man sich als erste Aufgabe, für jede Region bald ein kleines Dorf als methodisches Musterbuch zu drucken. In Sachsen fiel die Wahl auf Leutewitz bei Riesa. Wer die Arbeit in Leutewitz eigentlich gemacht hat, ist nicht bekannt, da das 1938 gedruckte „Dorfsippenbuch Leutewitz“ keinen Verfasser nennt. Es gibt dazu nur eine Anekdote: Das Buch war 1938 von dem „Verein für bäuerliche Sippenkunde“ herausgegeben worden, und der Leiter der „Reichsstelle für Sippenforschung“, Kurt Mayer, fühlte sich in seiner Zuständigkeit übergangen. Er ordnete deshalb 1939 seine Mitarbeiter an, die familienweise Verkartung der Kirchenbücher zu wiederholen und Fehler im gedruckten Buch nachzuweisen, siehe Vorgeschichte und Folgen des arischen Ahnenpasses: Zur Geschichte der Genealogie im 20. Jahrhundert, S. 281 ff.. Eine Liste mit solchen Fehlern ist aber nie gedruckt oder bestätigt worden. Vom Eifer des Reichsstelle zeugt nur die Verfilmung der Kirchenbücher Leutewitz, die in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig vorhanden ist.
Die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern stellt zweifellos die bedeutendste Leistung der mitteleuropäischen Genealogen dar. Bisher haben die Familiengeschichts- und Heimatforscher Bücher von mehr als 2000 Gemeinden des deutschsprachigen Raumes drucken lassen, eine ähnlich große Zahl dürfte bereits in Form von Dateien, Familienkarteien oder handgeschriebenen Familienbüchern vorliegen und früher oder später gedruckt werden, tausende weitere Gemeinden sind noch unbearbeitet. Wer seiner Heimat und sich ein Denkmal setzen will, dem steht somit noch ein weites Betätigungsfeld offen. Neben dem unmittelbaren Ertrag für die Familien- und Lokalgeschichte ist jedes neue dieser Bücher ein Baustein, mit der die Vision einer Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des historischen deutschen Siedlungsraumes auf der Grundlage von repräsentativen Stichproben aus Ortsfamilienbüchern verwirklicht werden kann.
Wie bei den im Cardamina-Verlag herausgegebenen Ortsfamilienbüchern Mitteldeutschlands gewohnt, besticht das preiswerte Buch mit 791 Familien im zweispaltigen Druck in der Neubarbeitung durch Thomas Wacker durch sehr gute Register mit den Doppelverknüpfungen von Familiennamen mit Orten und Orten mit Familiennamen. Nur das Register der Berufe ist leider ohne Familiennamen.
Rezension von Volkmar Weiss am 05.01.2016 bei amazon.de