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Kleingrabe

Titelblatt OFB Kleingrabe

Christian Kirchner, Ortsfamilienbuch Kleingrabe bei Mühlhausen in Thüringen 1407-1963 (Quellen zur Thüringer Genealogie) Gebundene Ausgabe: 364 Seiten, Rockstuhl Verlag; Auflage: 1.Auflage 2011 (26. Januar 2011), ISBN-10: 3867772649, ISBN-13: 978-3867772648, 39,95 €

Sehr beachtenswerte und für die Zukunft vielversprechende Anfängerarbeit

Seit Beginn des vorigen Jahrhunderts sind im deutschen Sprachraum mindestens 2000 Ortsfamilienbücher gedruckt worden. Jeder Verfasser setzt damit seiner Heimat, ihren Einwohnern und auch sich selbst ein Denkmal. Wie man ein Ortsfamilienbuch zusammenstellt und gestaltet, dazu gibt es hundertfache Erfahrungen und gute und vorbildliche Beispiele.

Der Verfasser und der Verlag hätten gut getan, wenn sie diese Erfahrungen und einige Beispiele zur Kenntnis genommen hätten und darauf aufbauend ihr Buch gestaltet hätten. Bei einer Fahrt von Herrn Kirchner zur Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig wäre er dort in einer großen Sammlung von Ortsfamilienbüchern fündig geworden. Und das Buch Ortsfamilienbücher mit Standort Leipzig in Deutscher Bücherei und Deutscher Zentralstelle für Genealogie (Bestandsverzeichnis der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, Teil 4), 2. Auflage 1998, enthält umfangreiche Gestaltungshinweise. Leider hat der Verfasser geglaubt, auf einen solchen Informationsvorlauf verzichten zu können, mit der Folge, daß neben den Stärken des Buches leider auch Mängel festzustellen sind.

Die Stärke des Buches ergibt sich aus dem eindrucksvollen Schwung, mit dem der Verfasser auf eine Totalauswertung aller über Kleingrabe verfügbaren Quellen hingearbeitet hat. In der Regel beschränken sich Ortsfamilienbücher bei einer ersten Bearbeitung auf der familienweisen Zusammenstellung der Kirchenbücher bis zum Beginn der standesamtlichen Aufzeichnungen. Erst Ortsfamilienbücher der 2. Generation streben eine Totalauswertung aller personengeschichtlichen Quellen für den jeweiligen Ort an. Kirchner geht aber darüber hinaus und hat auch die Kirchenbücher zahlreicher Nachbargemeinden ausgewertet. Die Standes- und Berufsangaben der Einzelpersonen werden in tadelloser Weise wiedergegeben.

Sehr zeitig muß sich der Verfasser eines Ortsfamilienbuches entscheiden, ob er eine Buch schreiben will, das für Personen-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte eine hervorragende und verläßliche Sekundärquelle darstellt und/oder auch noch ein Bilderbuch für die Ortsansässigen. Letzteres Vorhaben scheitert, so auch in diesem Falle, wenn der Verfasser nicht selbst ortsansässig ist oder einen Einheimischen als Mitverfasser gewinnt, der die Familien- und Gruppenfotos sammelt und die Personen zuordnet.

Für Familiennamen und Vornamen gab es früher keine feste Schreibweise. Bei der elektronischen Datenverarbeitung ist es aber heute unerläßlich, im Hintergrund für jede Person einen Namen festzulegen. Beim Ausdrucken des Buches müssen aber die ursprünglichen Schreibweisen der Namen und Hauptvarianten mit Zeitangaben wiedergegeben werden. Jede andere Arbeitsweise (so wie hier) ist keine Auffassungssache, sondern ein schwerer handwerklicher Fehler. Denn nur die Wiedergabe der ursprünglichen Varianten hat für die Namenforschung Quellenwert und ermöglicht das Überwinden zahlreicher Toter Punkte der genealogischen Forschung.

Das Gesamtbild der gedruckten Familienseiten ist wenig übersichtlich. Der Fettdruck der Familiennamen hätte eine bessere Orientierung erleichtert. Auch der Verzicht auf die Durchnummerierung der Familien und damit die fehlenden Verweise auf die Familiennummer der Eltern und der Kinder bedeutet einen Rückschritt hinter dem, was als Standard für ein Ortsfamilienbuch gilt. Die Gestaltung der Register ist völlig unzureichend. - Trotz dieser fachlichen Detailkritik dürfte das Buch im Ort die verdiente Resonanz gefunden haben und eine Fundgrube für die regionale Genealogie darstellen.

Wenn der Verfasser Kritik annimmt, dann sind von ihm bei seiner Schaffenskraft und dank seiner Fachkenntnisse noch weit bessere Arbeiten als dieses Buch zu erhoffen und zu wünschen.

Rezension von Volkmar Weiss am 9. November 2014 bei amazon.de

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