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Karlsruhe

Armin G. Meyer & Sabine Meyer-Carillon, Ortsfamilienbuch Karlsruhe. Teil 1 Hof- und Hofdienerschaft zu Schloß Carlsburg in Durlach, zu Schloß Augustenburg in Grötzingen und zum markgräflichen Hof in Basel 1688-1743 und Taufeinträge der Hof-Gemeinde Karlsruhe 1750-1761, (Badische Ortssippenbücher Bd. 150; DOS 657), Plaidt 2014, geb. 4°; 666 S., ISBN 978-3-86424-162-8.
Und Teil 2 Reformierte Kirche 1722-1821, mit den reformierten Einwohnern der heute eingemeideten Stadt Mühlburg, sowie der ehemaligen Gemeinde Klein-Karlsruhe und Schloss/Gutshof Gottesaue, (Badische Ortssippenbücher Bd. 150; DOS 657.2), Plaidt 2014, geb. 4°; 616 S., ISBN 978-3-86424-182-6.

Die Autoren haben sich zum Ziel gesetzt, die Ortsfamilienbücher der 1715 gegründeten Residenz Karlsruhe zum Jubiläum zu bearbeiten und herauszubringen. Zwei erste Bände konnten schon 2014 erscheinen. Mit der herausgehobenen Sondergruppe des Hofes und der Hofdienerschaft haben sie zuerst einen besonders schwierig zu bearbeitenden Teil der Bevölkerung den folgenden Bänden vorangesellt. Die eigene Rechtsstellung der fürstlichen Familie, der adligen und bürgerlichen Hofbediensteten und der Hofdienerschaft, deren große Mobilität und deren – wie die Einträge vielfach beweisen – erstaunlich bunte Lebensläufe erschwerten und befruchteten die Arbeit. Zugleich ist das Hofkirchenbuch, das mit seinem Beginn 1688 im Basler Exil beginnt und noch einige ältere Einträge enthält, das älteste Kirchenbuch für die Residenz. Bis 1715 war Durlach allein die Residenz, dann bestand der Hof parallel in Durlach und Karlsruhe, ab 1724 vornehmlich in Karlsruhe. 1761 wurde die Hofgemeinde zu einer – wenn auch privilegierten – Gemeinde der Residenzstadt Karlsruhe. Das gesamte Personal tritt in den Hofkirchenbüchern hervor. Die Autoren haben die Quelle möglichst vollständig ausgewertet. So finden sich unter den 3089 Familiennummern solche, bei denen Eltern, Schwiegereltern, Karriereangaben, lokalgeschichtliche Aspekte und alle Kinder mit zehn, zwanzig oder noch mehr Paten genannt werden, die Nummern dieser Paten mit nur sehr rudimentären Angaben eben dieser Patenschaft. Aus dem OFB läßt sich ein Kernbestand des Hofes und der Hofgesellschaft gut rekonstruieren, soweit er über längere Zeit am badischen Hof lebte und entsprechend in den Kirchenbüchern präsent wird. Die Autoren haben begonnen, auf regionalgeschichtliche Literatur und das Internet gestützt, alle Personen näher zu identifizieren. Das ist in ersten Ansätzen gelungen und bleibt zugleich eine Aufgabe für die besondere Forschung. Hervorgehoben werden muß aber der vorzügliche „Apparat“, der dem OFB mitgegeben wurde: Eine Stellenbesetzung der Regierungsbehörden (mit dem aus dem hessischen Raum stammenden Präsidenten des Geheimen Rats Johann Christoph Freiherr von Wallbrunn (1661-1729) an der Spitze), des Hofstaats und des Obervogtamtes von 1709 ist besonders wertvoll. Verzeichnisse aller verheirateten Frauen und ihrer Ehemänner, aller nicht in der alphabetischen Reihenfolge stehender Personennamen, ein kommentiertes Ortsverzeichnis nach Ländern unterteilt, und ein Berufsverzeichnis folgen. Im Berufsverzeichnis findet sich auch der ‚herrschaftliche Bodenwichser’ Peter Löw, der mit seiner Ehefrau Margarethe Brunner 1761 die Tochter Caroline Salome taufen ließ – weiter werden noch der ‚Bereiter’ Johann Adam Löw [* ca. 1635] mit Ehefrau Anna Elisabetha Meyer [+ Durlach 24.3.1710, Amtmannstochter aus Graben], der Soldat Philipp Löw [1711 Einwohner in Durlach], der Grenadier und Zeugmacher Franz Löw aus Pappenheim und seine Ehefrau Anna Hedwig Hegerlin/Hägerling aus Klingenberg bei Heilbronn mit 5 Kindern [getauft 1715-1725], und Philipp Jacob Löw [* um 1672, + Karlsruhe 1.3.1730], der vom Bereiter über den Stallmeister, zum Oberstallmeister und wirkl. adelichen Rats ‚Löw von Löwencranz’ aufsteigt, mit Familie behandelt. Weiter werden Verzeichnisse der genannten Krankheiten, der Nicht-Lutheraner und die Patenschaften der markgräflichen Familienmitglieder angeführt. Dann folgen Statistiken über die Anzahl der Taufen, Ehen und Beerdigungen je nach Jahr und Monat, Listen der Familien mit mehr als sieben Kindern, der ältesten Einwohner und der am häufigsten gewählten Vornamen. Noch einmal hervorgehoben verdient das außerordentlich hilfreiche und detaillierte Verzeichnis der Quellen und der Literatur. Allein dessentwegen wird das Buch für jede weitere Forschung in Karlsruhe im 18. Jahrhundert zur Grundlage werden.

Im zweiten Teilband des OFB Karlsruhe behandeln die Verfasser die Einträge der reformierten Kirche. Aus der Arbeit am ersten Band übernehmen die Autoren, auch alle Paten aufzulisten und diesen eigene Nummern zu geben. So entstehen 3446 einzelne Nummern, die nur zu einem gewissen Teil reformierte Personen betreffen. Vielfach sind die Paten nämlich sonst nicht weiter behandelt. In einem weiteren Register werden alle Ehefrau von den behandelten Familien aufgelistet. Dies sind 1060 Einträge, ungefähr die Anzahl der hier behandelten reformierten Familien. Sehr umfangreich werden alle Personen aus Quellen und Literatur ergänzt. Aus Hessen finden wir den Cammer-Laquay bei Serenissimo und späteren Fstl. Hof-Fourier (1795) Johann Jakob Schneider aus Kassel, aus Kassel stammen Offiziere der Familien v. Asbrand und v. Porbeck, der Sattlergeselle Louis Schneider (1773-1810), der Hofmusiker Johann Friedrich Backofen bzw. seine Ehefrau Anna Margaretha Brettelhauser, die Minister v. Edelsheim mit Bediensteten (Buchhold und Fevermier?, Fischer, Gilmain La Vige, Remy, der Graveur Johann Carl Louise Uri aus Hanau) und der Hanauische Rat Johann Philipp v. Cancrin, der Rat August Frensdorf oder der Perückenmacher Daniel La Fontaine. Noch aufgeklärt werden muß die Herkunft von Johannes Lauer (1670-1760) „in alten stegli aus Rintschheim im Mainzischen“, der in Karlsruhe Handelsmann und Vorsteher der reformierten Gemeinde wurde. Aus dem Nassauischen stammte der Minister Johann Jacob Reinhard, verheiratet mit Sophia Friederica Archenholtz (1718-1794), der Oberst Carl Christoph v. Peternell aus Melsungen (1769-1830), der Schneidermeister Philipp Daniel Unverzagt aus Redhard (Nassau-Saarbrücken), der reformierte Schullehrer und Mesner Johann Peter Friedrich Wolf aus Heimberg im Amt Naumburg (Heirat in Karlsruhe 1793), oder der Baudirektor von Karlsruhe Georg v. Welling (1655-1727).

Auch dieser Band enthält wegen der Mobilität der reformierten Bevölkerung zwischen der Schweiz über das religionstolerante Karlsruhe, die Pfalz, Nassau, Hessen-Kassel bis in die Niederlande eine Fülle von wichtigen Daten zu Personen, deren Lebenswege schwer zu rekonstruieren sind.

Lupold von Lehsten, in: Hessische Familienkunde Bd. 37, 2014, Sp. 141-142.

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