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Vogtei Hügelheim

Martin Keller, Oskar Hoppe, Walter Küchlin, Marthe Perrin, Hans R. Stadtler, Dieter Welchlin, Fritz Zöllin: Ortsfamilienbuch der Vogtei Hügelheim (Dörfer Hügelheim und Zienken) bis 1810. 379 S., 1469 Familien, Verzeichnis der Familiennamen, der Weg- und Zuwandererorte, der Berufe und Titel und der ältesten Patengeneration sowie Anhang. A4, broschiert. Preis CHF 41,- / EUR 38,00. Herausgeber: Geschichtsverein Markgräflerland; Selbstverlag Dr. Martin Keller, Arlesheim 2000.

Titelblatt OFB Hügelheim

Die Arbeitsgruppe „Markgräfler Familiennamenbuch“ arbeitet im europäischen Sinn grenzüberschreitend. Sie wird vom Geschichtsverein Markgräflerland getragen und unterstützt von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft der Region Basel. Ihr Leiter Dr. Martin Keller wohnt in der Schweiz, in Arlesheim, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber in Deutschland und der Schweiz. Ursprünglich hatte die Gruppe „nur“ das Ziel, ein historisches Familiennamenbuch für 76 Gemeinden herauszubringen, für das eine vollständige Auswertung aller Kirchenbücher die Quellengrundlage sein sollte. Da man die Daten Ort für Ort vollständig mit dem Computer aufnahm und nach Familien ordnete, ergaben sich daraus Dateien, die zu Ortsfamilienbücher ausgebaut werden konnten. Als sich abzeichnete, daß das gesteckte Ziel, das Familiennamenbuch, vielleicht so groß sein könnte, dass die Arbeit der Gruppe daran scheitern könnte, schlug der Rezensent 1995 bei einem Besuch vor, das vorhandene Material durch die ortsweise Edition von Ortsfamilienbüchern nicht nur vorläufig zu sichern, sondern auf diese Weise die Forschung in diesem Raum auch in überschaubaren Schritten voranzubringen. Während zu gross angelegte Projekte, wie z. B. die Verkartung der Erftlandschaft oder die Arbeiten von Tobias Brenner um Ansbach bisher stets irgendwie gescheitert sind bzw. die halbfertigen Karteien jahrzehntelang den Archiven eher zur Last denn zur Freude geworden sind, hat die ortsweise Veröffentlichung, wie z. B. in Waldeck, die Forschung stets und in vielfacher Weise befruchtet.

Das Vorwort des vorliegenden Buches zeichnet sich dadurch aus, dass Punkt für Punkt die Grundsätze diskutiert werden, wie sie in dem Buch „V.Weiss und K. Münchow. Ortsfamilienbücher mit Standort Leipzig. 2. Aufl. Neustadt/Aisch 1998“ für die Veröffentlichung eines Ortsfamilienbuches gefordert werden, inwieweit sie für das vorliegende Familienbuch für Hügelheim erfüllt werden konnten oder nicht. „Diese Forderungen erscheinen auf den ersten Blick alle ‚vernünftig‘, sie wurden grossenteils bei unseren Arbeiten befolgt“, stellt Keller fest. Es ist für den Rezensenten schon eine Befriedigung festzustellen, dass gutgemeinte Anregungen, die den Nutzen der genealogischen Arbeiten erhöhen sollen, auf derart fruchtbaren Boden fallen. Gibt es doch auch Gegenbeispiele, wo Genealogen auch heute noch in „Musterlisten“ aufgefordert werden, bei Angaben über die soziale Stellung ihrer Vorfahren sich auf lakonische Kürze zu beschränken. Manchmal geben die Quellen nicht mehr her, das ist richtig, aber oft gibt es doch bei eigener Heirat, Taufe der Kinder und eigenem Tod einer männlichen Person sich ergänzende Angaben übere Beruf, Stand, Besitz und öffentliche Ämter, die auch wiedergegeben werden sollten. Bei den Familiennamen ist eine einfache Anfügung der vorgefundenen Schreibweisen in Klammern hinter der standardisierten und mit Jahresangabe ausreichend, aber sehr hilfreich, da „tote Punkte“ nicht selten derartige Veränderungen der Namen als Ursache haben und der von aussen kommende Forscher ein Gefühl für die Veränderlichkeit der Namen in einem bestimmten Raum gewinnen sollte. Auch im Orts- und Berufsregister wäre es besser, der Familiennummer noch den Familiennamen hinzufügen. Im Ortsregister fehlt für die badischen Dörfer irgendeine Lageangabe zur nächsten Stadt oder ein einfacher Ortsplan der oberen Markgrafschaft mit Freiburg i. Br. und Basel als Eckpfeiler.

Die bisher von der Markgräfler Gruppe vorgelegten Drucke zeichnen sich durch ein sehr übersichtliches und durch den Wechsel verschiedener Schrifttypen und -grössen sehr gefälliges Druckbild aus. Als sich im September 1999 in Leipzig beim Deutschen Genealogentag rund 120 Personen in einem Arbeitskreis „Gestaltung von Ortsfamilienbüchern“ versammelten, war die Markgräfler Gruppe leider nicht mit einem eigenen Beitrag vertreten, was sehr bedauert werden muss, denn Arbeit und Arbeitsstil dieser rührigen Gruppe verdienen eine weit überregionale Beachtung. Inzwischen sind in der Nachbarschaft der Kellerschen Gruppe ähnliche Vorhaben in Gang gekommen: Ein Breisgauer Familiennamenbuch mit den entsprechenden Ortsfamilienbüchern soll entstehen, im Sundgau werden die Computer mit Kichenbuchdaten gefüttert und nur auf Basel selbst und die Orte der Schweizer Umgebung ist der Funke noch nicht übergesprungen, obwohl ein Teil von Kellers Mitarbeitern Schweizer sind.

Die Erfolgsbilanz dieser Arbeitsgruppe wäre noch besser, wenn die bisher erschienenen Bücher über den unmittelbaren lokalen Rahmen hinaus bekannt würden und somit in einer grösseren Zahl aufgelegt und verkauft werden könnten. Jeder fortgeschrittene Genealoge, dessen Vorfahren sich in einer bestimmten Landschaft mehr oder weniger konzentrieren, wird die Erfahrung bestätigen, dass er – bei gründlicher Forschung – früher oder später alle Kirchgemeinden dieses Raumes wenigstens einmal aufsuchen muss, manche drei- bis fünfmal. Liegen gedruckte Ortsfamilienbücher vor, so verkürzen sich diese Wege beträchtlich oder werden übeflüssig. Es kann deshalb für jeden Forscher dringend empfohlen werden, die Ortsfamilienbücher seines jeweiligen Forschungsgebiets zu sammeln und einen Ortsband auch dann zu kaufen, wenn er nur in der Nähe schon bekannter Herkunftsorte von Vorfahren liegt. Man unterstützt die Forschung nicht nur durch seinen Mitgliederbeitrag im eigenen Verein und durch die Gebührenzahlung in den Archiven, sondern auf sehr wirksame Weise auch durch das Sammeln der in der Region gedruckten Ortsfamilienbücher. Die Auflagehöhen der bisher vom Geschichtsverein Markgräflerland bzw. Dr. M. Keller gedruckten Bücher sind so niedrig, dass – nach aller Erfahrung – diese Bücher schon in wenigen Jahren als bibliophile Seitenheiten zu weit höheren Preisen gehandelt werden. Noch ist jedes Buch billiger als eine einzige Forschungsfahrt ins Markgräflerland aus einer mittleren Entfernung.

Volkmar Weiss, in Regio-Familienforscher 13, Heft 3 (2000) S. 223-225

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