Neues auf der Website

*) Hierzu bitte im Mitgliederbereich anmelden.


RSS feed für diese Website

Powered by CMSimpleBlog

Hohenhameln

Wilhelm Rake, Die Familien und Einwohner des ev.-luth. Kirchspiels Hohenhameln (Hohenhameln, Bekum, Ohlum, Rötzum) 1642 – 1900, Hannover: Niedersächsischer Landesverein für Familienkunde, 2014, 582 S., Abb., Kt., OBrosch., ISBN (DOS 00.740; Sonderveröff. / Niedersächs. Landesverein f. Familienkunde Nr. 41)

Der Name Hohenhameln bezeichnet die geographische Lage: auf der Höhe eines ca. 25 Meter aus der Norddeutschen Tiefebene herausragenden Höhenrückens. Im Mittelalter gehörte der Ort zum Hochstift Hildesheim, heute ist er der westliche Teil des Landkreises Peine. Im Jahr des Erscheinens des Buches hat der Ort ca. 9.000 Einwohner und schließt seit der Gemeindereform von 1974 die Gemeinden Hohenhameln (ca. 3100 Einwohner), Mehrum und Clauen (je ca. 1000 Einwohner), Equord, Bierbergen, Soßmar, Harber, Stedum und die kleinen Ortschaften Bründeln, Ohlum und Rötzum zusammen. Bekum war mit Stedum vereinigt worden. Heute prägen Hohenhameln eine über 140jährige Zuckerproduktion in Clauen (erbaut 1869) und das Preußen Elektra-Kraftwerk in Mehrum am Mittellandkanal. In der heutigen politischen Gemeinde finden sich fünf Kirchengemeinden: Bierbergen-Soßmar-Adenstedt, Clauen-Bründeln, Stedum, Equord-Harber-Mehrum und Hohenhameln-Bekum-Ohlum-Rötzum. Für diese letztere Kirchengemeinde hat Wilhelm Rake aus Laatzen das Ortsfamilienbuch erstellt, für das er durch Pfarrer Schweda und den Kirchenvorstand seit der Feier seiner Goldenen Konfirmation in Hohenhameln viel Unterstützung erfuhr.

Er wertete akribisch die Kirchenbücher in Hohenhameln aus. Weitere Quellen wurden nur in seltenen Fällen hinzugezogen. Die ca. 6.000 Familiennummern, die auch Schwiegereltern betreffen, sind nach Zuname und Heiratsdatum sortiert, weisen aber wegen häufig fehlender Heiratsdaten stetige Unregelmäßigkeiten auf. Für den Leser sind auch die Angaben des Bearbeiters wichtig, für welche Zeiträume überhaupt den Kirchenbüchern Daten zu entnehmen sind. Taufen und Heiraten beginnen in Hohenhameln 1642, Begräbnisse erst 1710, Konfirmationslisten 1732. Aber es gibt Lücken, etwa bei den Taufen 1719 bis 1730, weil die Seiten fehlen oder so schlecht erhalten sind, daß die Auswertung nicht mehr möglich ist. Zwar rekonstruiert Wilhelm Rake mit dem Genealogieprogramm PAF möglichst viele ‚Familiendatensätze’, aber bei nicht wenigen Rekonstruktionen sind die Kriterien nicht eindeutig. So schreibt der Verf. in der Einleitung: „Mehrmals fehlten bei Taufeinträgen die Vornamen der Kinder. Es ist dann nur vermerkt Sohn oder Tochter. Gleiches geschah auch bei Sterbefällen. Erst bei Heirat eines Kindes aus der Familie, oder bei späteren Sterbefällen konnte der Vorname ermittelt werden. Diese Vornamen stehen im Familienbuch bei den betreffenden Personen in Klammern.“ Auch wurde der gleiche Vorname in einer Kinderreihe mehrfach vergeben usw. In diesen Fällen empfiehlt es sich, das genealogisch-soziale Umfeld der gesuchten Person möglichst detailliert zusammenzustellen.

Von besonderem Wert ist das Register der ‚Berufe’, welches auch die Angaben zum Stand und Besitz umfasst. In den nachfolgenden Angaben wurden nur Annährungswerte ermittelt. Die Besitzer der alten, größeren Höfe verteilen sich wie folgt: Hofbesitzer (28), drei Vollhöfner, sieben Halbhöfner, 13 Hofpächter; sechs Vollmeier, acht Halbmeier; Vollspänner (60), Halbspänner (ca. 100), zwei Viertelspänner; Tagelöhner (ca. 110), ein Halbreihewohner (?). Diesen stehen gegenüber: Häußlinge (über 250) und Brinksitzer (ca. 150), ein Halbbrinksitzer und drei Viertelbrinksitzer [Brinksitzer waren Häusler in einem gemieteten Haus ‚auf dem Brink’, sie mußten i.d.R. hinzuverdienen]; Kötter [von alten Höfen abgeteilte kleine Hofstellen mit Mietzins und Frondiensten, oft mit einem Handwerk verbunden waren]: Kothsassen (410), Halbkothsassen (76); vier Doppelköthner, Köthner (72) und Vollköthner (60), Vollkothsaß (32), Dreiviertelköthner (5), drei Zweidrittelköthner, Halbköthner (ca. 135), Viertelköthner (55), Achtelköthner (12), dazu zwei Vollkothstellenpächter. Es wäre eine lohnende Aufgabe, diese detaillierten Angaben auf die genealogischen Strukturen abzubilden und Faktoren für Aufstiege und Abstiege herauszuarbeiten. Hierfür wäre allerdings die Nutzung der Steuerakten und weiterer Quellen sinnvoll.

An Berufsangaben sind vertreten: Ackermann (ca. 185), Halbackermann (ca. 10) und einen Viertelackermann, Knechte, Ackerknechte und Dienstknechte (ca. 150) und Mägde (ca. 40), Anbauer (125), Arbeiter und Arbeitsmann (ca. 120) und Arbeiterin (8), Maurer und Maurermeister (ca. 100), Leineweber (ca. 90), Hirten (ca. 25), speziell Kuh- und Viehhirten (55) und Schweinehirten (8) und Schäfer (50) und ein Schäfereibesitzer, Schafmeister (ca. 50) und Schäferknechte (ca. 16), Kaufmann (ca. 50), Gastwirte (ca. 50), Bäcker (ca. 45), Gelbgießer (ca. 25), Dachdecker (ca. 30), auch sieben Landwirte. Müller (-meister) (ca. 76), Mühlenbesitzer (ca. 20), -pächter (9) und Mühlenknechte (12). Schlachter (ca. 30), Schneider, -meister (ca. 110) und eine Schneiderin, Schuhmacher und –meister und Schuster (ca. 135), Schlossermeister und Schmied und –meister (ca. 90), Zimmermann/-meister (ca. 90), Tischler u. –meister (ca. 105) und drei Tischlerlehrlinge, Bürger (ca. 52). Eine Liste der Pastoren ist beigegeben und bis zu Heinrich Hermann Wilhelm Kolshorn (+ 1895) werden diese auch im Buch mit einer Familiennummer behandelt. Für die Lehrer gibt es keine eigene Liste, aber auch sie werden behandelt.

Die kopfstarken Familien in Hohenhameln sind die Behrens, Bode, Buße, Gieseke, Heinecke/Heineke, Könnecker/Könneker, Lauenstein, Meier und noch häufiger Meyer, Oelkers, Rühmann, Stenzie und Stenzig, Wolpers. Genannt werden sollen noch die Müllerfamilie Mehrmann, die Lehrer- und Organistenfamilie Meier oder die Familie Schrader, aus der auch der Diplomat Wilhelm Schrader (1914-2006) hervorging, der 1995 eine Stiftung zugunsten der Ev. Kirche im Rheinland gründete. Im 19. Jahrhundert werden die Angaben in den Kirchenbüchern umfangreicher und es kommen mehr Fremde nach Hohenhameln. Edmund Ziegenmeyer (1803-1862) aus Hildesheim ist mit seinen vier Ehen mit vier Nummern behandelt. Das Ortsfamilienbuch ist sehr sorgfältig gearbeitet, dem Bearbeiter gilt ein herzlicher Dank.

Lupold v. Lehsten, in: Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde 89. Jg., 2014, S. 337-338.

© 2009-2026 DAGV | ge-webdesign |