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Hirschfeld

Dressel, Elisabeth: Familienbuch Hirschfeld (Kreis Zwickau/Sachsen) ca. 1530 bis ca. 1870. Personen und Familien in Hirschfeld und Wolfersgrün sowie Amtshandlungen Auswärtiger in den Hirschfelder Kirchenbüchern. Teil 1 (A-L). Teil 2 (M-Z). Jena 2001. 4575 Familien, 1161 Seiten. 20,5 x 14,5 cm. Broschur (= Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher der AMF 7).

Erneut erfährt die von der AMF herausgegebene Reihe mit diesem siebten Buch eine deutliche qualitative Steigerung. Das ist ein echtes Ortsfamilienbuch, d. h. die Familien und Personen sind miteinander verknüpft, das Schriftbild der Seiten ist sehr gut lesbar und übersichtlich. Bei der Dateneingabe und –kontrolle handelt es sich um eine bewunderungswürdige und eindrucksvolle Fleißarbeit von Frau Dressel in Hamburg, denn „Hirschfeld“ übertrifft schon in der Anzahl der Familien alles, was bisher in Mitteldeutschland an vergleichbaren Arbeiten zum Druck gebracht worden ist.

Bei Hirschfeld und Wolfersgrün haben wir den seltenen Fall vor uns, daß unabhängig voneinander zwei sehr erfahrene Genealogen, Karl Lorenz und Johannes Gündel, die Daten der Kirchgemeinde familienweise zusammengestellt haben. Gündel mag dabei zwar in einer Spätphase seiner Arbeit festgestellt haben, daß Lorenz in seiner Kirchberg-Kartei auch schon Daten von Hirschfeld mit eingearbeitet hatte, aber dennoch hat Gündel noch einmal alles selbständig bearbeitet. Bei Zehntausenden von Daten gibt es zwischen den beiden familienweisen Verkartungen reichlich 300 Abweichungen. Das ist bei weit ins 16. Jh. zurückreichenden Daten eine Größenordnung, die nur noch durch die sorgfältige Einbeziehung der Daten in den Gerichtshandelsbüchern zu unterbieten oder zu korrigieren ist. Und auch diese ergänzende Arbeit hat Frau Dressel mit Unterstützung von Herrn Rudolf Bagehorn in Neumark für die problematischen Fälle noch geleistet. Da die familienweise Verkartung eine größere Arbeit ist als die Dateneingaben für die Druckfassung, wäre es eine Geste gegenüber denen gewesen, die vorangegangen sind, wenn Frau Dressel Lorenz und Gündel posthum als Mitverfasser eingesetzt hätte (So wie wir es in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie beim Ortsfamilienbuch Schwarzbach mit Waldus Nestler gemacht haben.) Mit so einer Geste vergibt man sich nichts, aber es ist eine Ermessensfrage.

Wie schon für Band 6 der Reihe gilt: Daß auf dem Rücken des Buches eine Prägung oder ein Aufdruck des Ortsnamens und des Teils fehlt, ist bei einem zweiteiligen Buch dieses Umfangs ein Ärgernis. Die Herausgeber der Reihe sollten bitte überlegen, ob nicht der kostbare Inhalt durch größeres Seitenformat und zweispaltigem Satz – dann alles nur in einem Band – besser zur Geltung käme. Die Register sind umfangreich, aber noch nicht optimal. Wer wird z. B. jemals unter der Berufsbezeichnung „Bauer“ unter hunderten Möglichkeiten irgendetwas suchen und finden? Ebenso gelten Quellenangaben (S. 1087-1156) in sowieso chronologisch geordneten Kirchenbüchern gemeinhin als überflüssig (das gilt nicht für die aus Gerichtshandelsbüchern).

Dem Rezensenten sei noch die persönliche Bemerkung gestattet, daß das Erscheinen des Buches ihn mit tiefer Befriedigung erfüllt. Als ich vor 30 Jahren mit meinen eigenen familiengeschichtlichen Wanderungen im Raum Kirchberg begann, konnte ich bald feststellen, daß ich in die Fußstapfen mehrerer fleißiger Forscher treten konnte und in zahlreichen Pfarrämtern dieser Gegend familienweise Verkartungen von hoher Qualität standen. Nachdem es Johannes Gündel 1988 mit seiner letzten Lebenskraft gelungen war, die Stangengrüner Verkartung von Ewald Rannacher zu ergänzen und im Westen zum Druck zu bringen, war es ab 1990 eine wichtige Aufgabe der Deutschen Zentralstelle für Genealogie, Geld und Arbeitskräfte einzuweren, um von allen erreichbaren Karteien Sicherheitskopien anzufertigen. Zu danken ist den sächsischen Pfarrern, bei denen dieses Vorhaben Verständnis und eine offene Tür gefunden hat, so auch damals in Hirschfeld. Um so bedauerlicher, daß 1996 alle derartigen Aktionen der Leipziger Zentralstelle auf halbem Wege gestoppt worden sind. Nach wie vor sind deshalb die wertvollen Karteien z. B. in Bärenwalde und Carlsfeld ungesicherte Unikate.

Volkmar Weiss, in Familie und Geschichte 10. Jahrgang, H. 2 (2001) S. 93-94

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