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Großwangen

Rosemarie Haberland, Thomas Wacker, Familienbuch von Großwangen bei Nebra (Sachsen - Anhalt) für die Jahre 1691 bis 1938, Reihe Dt. OFB/OSB: 00.856, gebundene Ausgabe: 128 Seiten, Verlag: Cardamina Verlag, Plaidt 2014, ISBN-10: 3864242193, ISBN-13: 978-3-86424-219-9, 25,00 €

Neu bearbeitet und gedruckt nach rund 100 Jahren

Die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern stellt zweifellos die bedeutendste Leistung der mitteleuropäischen Genealogen dar. Bisher haben die Familiengeschichts- und Heimatforscher Bücher von mehr als 2000 Gemeinden des deutschsprachigen Raumes drucken lassen, eine ähnlich große Zahl dürfte bereits in Form von Dateien, Familienkarteien oder handgeschriebenen Familienbüchern vorliegen und früher oder später gedruckt werden, tausende weitere Gemeinden sind noch unbearbeitet. Wer seiner Heimat und sich ein Denkmal setzen will, dem steht somit noch ein weites Betätigungsfeld offen. Neben dem unmittelbaren Ertrag für die Familien- und Lokalgeschichte ist jedes neue dieser Bücher ein Baustein, mit der die Vision einer Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des historischen deutschen Siedlungsraumes auf der Grundlage von repräsentativen Stichproben aus Ortsfamilienbüchern verwirklicht werden kann. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür wurden schon vor 20 Jahren an der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig geschaffen, in einem Projekt, das damals von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert worden ist, aber bis heute seiner Vollendung harrt.

Die Arbeiten an diesen Büchern begannen bereits vor mehr als 200 Jahren, als z. B. in Württemberg angeordnet wurde, die Kirchenbücher familienweise zu führen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Pfarrer, in Hessen, in Wallis, aber verstreut auch in vielen anderen Gegenden, die Anleitungen veröffentlichten, wie man aus ursprünglich für Taufen, Beerdigungen und Heiraten getrennt geführten Kirchenbücher Familienbücher zusammenstellen sollte. Um 1900 erschienen dann die ersten gedruckten, methodisch ausgereiften Ortsfamilienbücher, deren Zahl sich seither von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verdoppelt.

Auf dem Titelblatt dieser Neubearbeitung wird Martin Rost (1901-1978) genannt, der Verfasser der 1939 gedruckten Urfassung. In der Deutschen Zentralstelle für Genealogie befindet sich ein von ihm selbst verfaßtes Manuskript aus dem Jahre 1978: 'Leben und Arbeit im Dienst der Kirche und ihren Chroniken und Kirchenbüchern'. Er verstand seine Arbeit an den Dorfsippenbüchern Altenroda und Großwangen nicht als ein Beitrag zum Zeitgeist des Nationalsozialismus, sondern als einen zeitlosen Beitrag zur Heimatgeschichte. Als Sohn des Pfarrers von Altenroda fertigte der die Manuskripte für die Familienbücher der beiden genannten Orte bereits als Gymnasiast an, also etwa um 1917. Weitere Gemeinden, die er später bearbeitet hat, blieben bisher ungedruckt. Das Original für Kleinwangen verbrannte im Krieg auf Schloß Giebichenstein durch einen Bombentreffer.

Wie bei den von Thomas Wacker im Cardamina-Verlag herausgegebenen Ortsfamilienbüchern Mitteldeutschlands gewohnt, besticht das preiswerte Buch mit 905 Familien in der Neubarbeitung durch sehr gute Register mit den Doppelverknüpfungen von Familiennamen mit Orten und Orten mit Familiennamen. - Die beim Ortsfamilienbuch Altenroda vom Rezensenten gemachten kritischen Anmerkungen gelten auch für Großwangen.

Rezension von Volkmar Weiss am 02.12.2015 bei amazon.de

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