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Freudenberg

Titelblatt OFB Freudenberg

Ansgar Hoffmann/ Anne Schulte-Lefebvre, Ortsfamilienbuch Kirchspiel Freudenberg, Siegerland, 1612-1795 (Deutsche Ortssippenbücher, hrsg. von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Band 951), Weißenthurm, Cardamina 2016, ISBN 978-3-86424-298-4, CLXXX, 587 S., geb., 47 Euro.

Nach den Ortsfamilienbüchern Krombach und Ferndorf liegt nun das dritte OFB dieses Bearbeiter-Duos vor. Es wurden ausgewertet die Kirchenbücher der Ev. Kirchengemeinde Freudenberg von 1612 bis 1795.

Die Ev. Kirchengemeinde Freudenberg entstand 1585 nach jahrelangen Bemühungen, sich von der Kirchengemeinde Oberholzklau abzutrennen. Denn seit Urzeiten gehörten Freudenberg, Plittershagen, Mausbach, Hohenhain und der Büschergrund nach Oberholzklau, und hierhin mussten die Einwohner der genannten Dörfer zu Fuß gehen, um am Gottesdienst teilzunehmen, zu heiraten, ihre Kinder taufen zu lassen und eines Tage beerdigt zu werden. Man kann sich vorstellen, wie mühevoll und zeitraubend die Wege waren ...

Die Religionswirren im Siegerland während des Dreißigjährigen Krieges gingen auch am Kirchspiel Freudenberg nicht vorbei, sehr häufig wechselten sich reformierte und katholische Pfarrer nach jeweils nur kurzen Amtszeiten ab. Nach dem großen Stadtbrand von 1666, der übrigens keine Erwähnung in den Kirchenbüchern findet, setzte ein regelrechter Wieder- Aufbau-Boom ein. Wie in den Kirchenbüchern ersichtlich wurden von außerhalb Schreiner, Zimmerleute und andere Bauhandwerker angezogen, die dem Flecken sein heutiges Aussehen als denkmalgeschützte Fachwerkstadt verschafften.

Das neue OFB ist ein voluminöses Werk von über 760 Seiten. Der einleitende Vorspann umfasst 180 römisch paginierte Seiten, dann folgen rund 580 Seiten mit ebenso vielen, also rund 580 verschiedenen Familienartikeln. Der 180-seitige Vorspann ist sehr wichtig, enthält er doch Quellen überwiegend aus der Vorkirchenbuchzeit, also vor 1612, und darüber hinaus Auswertungen aus den Kirchenbüchern! Alles sehr hilfreiche Zusammenstellungen für den Familienforscher, die man nicht unbedingt in einem Familienbuch erwartet. An Quellen sind vor allen die Schatzungsregister der Jahre 1461, 1566, 1577, 1599, 1636, 1688 und 1724 sehr interessant. Diese Register listen in unterschiedlicher Weise den Besitz der auf dem Gebiet der Kirchengemeinde Freudenberg lebenden Haus- und Grundstücksbesitzer auf, machen auch Angaben über Ehefrauen und Zahl der Kinder. Gelegentlich ergeben sich aus den Angaben über Schulden und Schuldner auch Hinweise auf verwandtschaftliche Beziehungen.

Auch die sog. Musterzettel, also Listen der Mitglieder des militärischen Ausschusses aus den Jahren 1572, um 1600 und 1636 sind abgedruckt. Verschiedene Einwohnerlisten und Quartierlisten runden das Ganze ab.

Der allgemeine Teil wird fortgesetzt mit Ortsbeschreibungen. Hier finden sich kurze historische Abrisse zu den einzelnen Orten der Kirchengemeinde. Es folgen Listen der Amtsträger (überwiegend nach ihren Erwähnungen in den Kirchenbüchern: Pfarrer vom ersten Freudenberger Henrich Zeidenbach 1585 bis zum heute amtierenden Thomas Ijewski, sodann Kirchmeister, Kapellenmeister und Kirchenälteste, weiter Schulmeister, Schultheißen, Richter, Amtmänner, Rezeptoren (Steuereinnehmer), Gerichtsknechte und –diener, Bürgermeister, Förster, Gerichts- und Bergschöffen sowie Offiziere des Ausschusses. In vielen Fällen sind diese Ämter, meist Ehrenämter, immer wieder in den gleichen Familien vertreten. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der Hochzeiten von außerhalb des Kirchspiels. Überwiegend vertreten ist natürlich das Siegerland – in erster Linie die Nachbarkirchspiele Oberfischbach und Oberholzklau, aber auch die Stadt Siegen. Von der Häufigkeit her folgen Ferndorf und Krombach, dann die übrigen Kirchspiele. Auch gab es viele Beziehungen zum benachbarten Oberbergischen Land und in den heutigen Kreis Olpe (überwiegend katholisch). Rheinland-Pfalz kommt häufig vor mit dem angenzenden Wildenburger Land und dem Raum Freusburg/Niederfischbach. Die anderen deutschen Bundesländer kommen nur sporadisch vor.

Auffallend sind die Eheschließung des Plittershageners Johannes Wagener 1653 mit einer Luxemburgerin sowie die Ehen von zwei Böhmen 1677 und 1739 mit Frauen aus dem Kirchspiel Freudenberg. Ein Kuriosum: der eine der beiden, Wenzel Langer, stammt auch dem Kreis Böhm.-Leipa in Nordböhmen, aus dem ein Großteil der Ahnen des Rez. stammt. – Zu den großen, viele Seiten umfassenden Familien zählen die Achenbach, Bäumer, Grümbel, Hähner, verschiedene Hoffmann, verschiedene Müller, die Ohr(e)ndorf, Stahlschmidt, Waffenschmidt, Wirth und natürlich die Siebel.

Die Genealogie der Freudenberger Siebel vor 1700 hat Gustav Siebel schon 1981 veröffentlicht. Seine Erkenntnisse werden vom neuen OFB durchweg bestätigt, nur in wenigen Punkten setzen die Verf. ein Frage- oder Korrekturzeichen.

Die Bäumer kamen 1638, um 1642 und 1654 mit Johann Bäumer sowie den Brüdern Adam und Arnold Bäumer aus dem benachbarten Bockenbaum im Wildenburgischen ins Kirchspiel Freudenberg. Alle drei Namensträger heirateten Frauen aus Büschen. Von Büschen aus nahmen alle Siegerländer Bäumer ihren Ursprung.

Die Familie Ohrndorf/Ohrendorf ist mittlerweile ausführlich in einem Familienbuch dargestellt worden (siehe Rezension im vorliegenden Heft). Ausführlich sind die Stahlschmidt – auch mit vielen Nicht-Freudenberger Linien – dargestellt, gilt dieser Familie doch das besondere Interesse der Mitautorin, einer Angehörigen des aus Freudenberg stammenden Plettenberger Zweiges der Familie.

Müller, Waffenschmidt, Wirth: diesen drei Familien ist das grausame Schicksal gemein, dass Angehörige der Hexerei angeklagt und hingerichtet wurden. Der Freudenberger Bürgermeister Bernhard Müller wurde 1653 als Hexer verbrannt, was dem Ansehen der Familie aber keinen Abbruch tat und ihr die Übernahme weiterer Ehrenämter nicht verwehrte. Auch die Ehefrau und Mutter von sechs Kindern, Margaretha Waffenschmidt geb. Bender, wurde auf dem gleichen Scheiterhaufen verbrannt. Ihr jüngstes Kind war gerade wenige Monate alt. Und schließlich Ebert Wirth vom Anstoß. Er war schon 1629 „im August gefangen nach Siegen geführt wegen der Zauberey und den 17. August post bona questione gekopplet und verbrandt“ worden.

An manchen Familiengeschichten lässt sich die Entstehung der Familiennamen im Kspl Freudenberg nachvollziehen, die im frühen 17. Jh. noch keineswegs gefestigt war und sich durchaus noch um 1650/1680 ändern konnte.

Aus den Herkunftsbezeichnungen vom Hof Ohrendorf, vom Herlinger Hof und vom Halmenhof entwickelten sich die Familiennamen Ohrndorf, Herling und Halm. Manche der Hofpächter, der „Hofmänner“, behielt auch diese Berufsbezeichnung und wurde zum Herrn Hofmann oder Hoffmann.

Fremd war der Familienname des katholischen Gerichtsknechts Hermann Thielmann oder Dieman, der um 1636 von der katholischen Herrschaft von außerhalb geholt und den Freudenbergern vor die Nase gesetzt wurde. Sein Familienname entwickelte sich über Diemann, Delmann, Deman bis hin zum heutigen Demandt – ein bis heute bekannter Namen im Flecken.

Fremd war auch der Soldat Michael Tangiter, der 1658 in Freudenberg „hängen blieb“, d. h. eine erste Ehe mit einer Freudenbergerin (Margretha Fries) einging. Er stammte aus Weckerath im Kirchspiel Manderfeld im heutigen Belgien (südlich von Monschau/Eifel) – nicht aus Ueckerath bei Hennef, wie im neuen OFB fälschlicherweise angegeben. Vielleicht sprach Michael Tangiter flämisch oder doch zumindest undeutlich: aus seinem Namen Tangiter wurde über Zwischenformen Dangitter, Dangender, Danckender schließlich der Familienname Dangendorf.

Viele weitere Details findet man beim Studieren des voluminösen Bandes: Krankheiten, ungewöhnliche Todesfälle, Unglücke, Nachrichten über Verbrechen, außergewöhnliche Schicksale, uneheliche Kinder, sogar Kindesmord.

Die Verf. haben den Siegerländer Familienforschern ein weiteres Geschenk gemacht, einen Hochgenuss für Genealogen bereitet. Wer Vorfahren aus dem Kirchspiel Freudenberg hat, kommt um diesen Band nicht herum: „Familienforschung vom Feinsten“.

Bleibt lediglich zu wünschen, dass den Verfassern weiterhin Gesundheit und Forschergeist geschenkt werde, damit wir uns vielleicht über weitere Siegerländer Ortsfamilienbücher freuen können.

Gerhard Moisel in der Zeitschrift Siegerland Band 93/Heft 1 2016

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