Neues auf der Website

*) Hierzu bitte im Mitgliederbereich anmelden.


RSS feed für diese Website

Powered by CMSimpleBlog

Dieburg

Titelblatt FB Dieburg

Brigitte Olschewski, Familienbuch Dieburg 1603-1900 mit Filiale Klein-Zimmern. Otzberg: gendi [Gartenstr. 2a, 64835 Dieburg, shop.gendi.de] 2014, 4°, geb., 999 S., (DOS Nr. 00.848), 53,- Euro.

Dieburg war eine Königsgründung, kam im Mittelalter aber bald in die Abhängigkeit des Mainzer Kurfürsten. 1284 bzw. 1294 kaufte der Erzbischof Anteile an Burg und Stadt von den Grafen von Isenburg. Seit 1310 war die Stadt ganz mainzisch und einige Adelsfamilien siedelten sich hier an, ähnlich wie in anderen Mainzer Landstädten, etwa Bensheim: die Ulner von Dieburg, die Groschlag, die Drunkeln von Dieburg, die Auerhahn von Dieburg (Urehane von Dieburg) und die Brisine von Dieburg, die Gayling von Altheim, die Schaden von Altheim, die Krieg von Altheim und die Wambold von Umstadt, später die Fechenbach. Im Mainzer Oberstift beteiligte sich Dieburg am Neunstädtebund, der sich auch mit aufständischen Bauern verbündete. Daher degradierte der Erzbischof die Stadt. 1582/86 gab es sogar phasenweise einen protestantisch dominierten Rat, dann folgte die Rekatholisierung. Nach dem 30jährigen Krieg lebten noch 500 Menschen in Dieburg, es folgten Wiederaufbau und Aufblühen der Dieburger Wallfahrt. Seit dieser Zeit erfaßt das Ortsfamilienbuch von Brigitte Olschewski die Bevölkerung in über 10.000 Datensätzen mit 1000 Seiten. Die Dieburger wurden nach Zünften, Fähnlein, Schaaren zum Gewerbsbetrieb, Schaaren für Stadtgewehre eingeteilt. Gerber, Sattler, Riemer, Häfner, Schneider, Schlosser, Bender, Wollweber oder Leinweber waren solche Zünfte. Die Autorin hat für einzelne Daten, aber auch manche genealogisch ergänzenden Datensätze die OFBs der Nachbargemeinden (u.a. Georgenhausen usw., Habitzheim, Mosbach/Dorndiel, Seligenstadt usw.) und weiteren Quellen ausgewertet. Da die Bevölkerung von Klein-Zimmern auch in den Dieburger Kirchenbüchern beurkundet wurde, gilt das gesamte OFB auch für Klein-Zimmern. Groß- und Klein-Zimmern sind daher auch die am häufigsten vorkommenden Ortsnamen neben Dieburg. An vierter Stelle steht der Nachbarort Münster. Bei den rund 10200 vergebenen Nummern muß berücksichtigt werden, daß im KB genannte Eltern von Zugezogenen auch eine Nummer bekamen, obwohl sie mit Dieburg nichts zu tun haben, z.B. ist der Apotheker Heinrich Wilhelm Hasenpflug (1794-1868, Nr. 3214) ein Sohn des Pfarrers H. D. Ch. Hasenpflug in Alten-Haßlau, der unter Nr. 3213 mit sehr rudimentären Daten behandelt wird. Diese sind – was nicht erwähnt wird - Verwandte des Kasseler Ministers Ludwig Hassenpflug (1794-1862), Heinrich Wilhelm war mit dem Ministerpräsidenten gleichalt. Die Datensätze sind alphabetisch nach Familiennamen und nach Heiratsjahr sortiert. Hohe Anerkennung verdient die große Sorgfalt, die sich die Verfn. mit den Zeugen- und Patenangaben gemacht hat, die wohl weitgehend vollständig erfaßt sind. Hier hat sie auch Namen und Wörter mitgeteilt, die bei ihrer Lesart noch keinen Sinn ergeben - aber nun für alle, die es besser wissen, zur Interpretation bereit gestellt werden. Die großen Familien in Dieburg waren u.a. die Andrich, Blank, Braun, Brücher, Christ, Danz in Kl.-Zimmern, Enders, Euler, Fäth, Frank/Franck, Ganz, Grim, Grohe, Henrich, Herd/Herdt, Hiemenz, Hock, Hoffarth, Jung, Kern, Knapp, Korb, Kraft, Kunkel, Kurz, Lang, Lippert, Löbig, Lohrum, Ludwig, Mühlemann, Müller, Müth, Oberkorn, Ott/Oth, Pauly, Reis, Rempspecher, Sattig, Schmalenberger, Schroth, Schumann, Seib, Seibert, Spies, Staud, Stemler, Thomas, Übel, Weber, Weisbecker, Wick, Würz.

Die Dieburger Bürgermeister im Großherzogtum waren Jakob Kolb, Nikolaus Schumann, Georg Hiemenz, Adam Kunkel, Andreas Hoffarth, Johannes Weber, Georg Adam Glässer und Andreas Krausmann. 1830 wurde das ehemalige Kapuzinerkloster in eine Arrestanstalt für Forstfrevler, dann auch Landstreicher, Bettler, Obdachlose und auch weibliche Gefangene ausgebaut und manche Frau mit unbekannter Herkunft und unbekanntem Schicksal ist in der Anstalt verstorben und im OFB verzeichnet. Bekannt geworden ist Dr. Hans Steinmetz, 1908-1987, 1946 bis 1948 Landrat des Kreises Bergstraße, Abgeordneter und Staatssekretär im Staatssekretär im Bundesministerium für Post- und Fernmeldewesen, dem die Stadt die Ingenieur-Akademie der Deutschen Bundespost verdankte, ein führendes Mitglied der deutschen katholischen Studenten- und Akademikerverbände, während Ludwig Steinmetz, 1912-1975, Bürgermeister von Dieburg war. Aber auch Philipp Uebel (1864–1929) war Abgeordneter im Reichstag und im Landtag und Peter Keller (1906-1985) war Landtagsabgeordneter. Christian Bieniek aus Dieburg (1956–2005) war Schriftsteller und Kinderbuchautor.

Mit dem 19. Jahrhundert kamen auch evangelische Beamte des Großherzogtums nach Dieburg. So war beispielsweise Dr. Wilhelm Rautenbusch 1840 Kreissekretär und Ludwig Römheld (1824-1871) 1856 Kreisassessor (zeitweise auch in Heppenheim), ehe er 1867 Kreisrat in Lindenfels wurde. Der Kreisassessor Ferdinand Emmerich (1831-1912) lebte in den 1860er Jahren in Dieburg. Seine Frau Marie, geb. Rumpel (1833-1897), brachte hier die Töchter Adeline (1863) und Luise (1868) zur Welt. Wie bei den anderen Beamten bieten hier die Patenangaben die Verwandtschaft: 1863 waren als Paten von Adeline in Dieburg erschienen: Charlotte Vollhard aus Darmstadt, die Urgroßtante, eine Tochter des Pfarrers Friedrich Daniel Vollhard in Beedenkirchen (1730-1809); die Großmutter Eleonora Rumpel, geb. Kühn, Ehefrau des Gutsbesitzers Christoph Rumpel in Bodenheim; Mathilde Emmerling (1835-1916), eine Schwester des Vaters und Tochter des Ghz. Ober-Staatsprokurators August Emmerling. Diese Mathilde heiratete im folgenden Jahr 1864 den bekannten Chef des Ghz. Kabinetts Ernst Becker. Stationsverwalter der Main-Rhein-Bahn in Dieburg wurde der Reinheimer Ortsbürger Ernst Karl Johannes Adam Eduard Neuenhagen (Daten übrigens im DGB Bd. 69, S. 471f.), der mit seiner Frau Katharina, geb. Störger, 1861 bis 1870 fünf in Dieburg geborene Kinder taufen ließ. Als Paten trat das gesamte verwandtschaftliche Umfeld der Familien Neuenhagen und Störger in Erscheinung. Dann war Anton Paul Johannes Limbach, aus Malchen, verheiratet mit Elisabeth Müller, Stationsverwalter und ließ die Söhne Kurt (1872) und Ernst Julius (1873) taufen. Bei der Taufe 1873 war der Stationsassistent Julius Jakob Pies Pate. Ihm folgte als Stationsverwalter Karl Philipp Justus, verheiratet mit Amalia Susanna Maria Anna Kiefer. Diese ließen 1878 ihren Sohn Isidor Ernst Ludwig evangelisch taufen. Stationsvorstand war auch August Klemenz, dem mit seiner Frau Martha Hoffmann 1899 die Tochter Margaretha Maria Erika Martha Rosalia geboren wurde, für die angegeben wird: "* Dieburg 17.6.1899, + Berlin-Spandau 23.7.1960". Für Personen, die vor 1900 geboren wurden, werden zumeist vollständige Daten angegeben, soweit sie erreichbar waren.

Bei einer solchen Fülle von Daten ergeben sich auch Korrekturen und Ergänzungen, z.B. ist der unter 528 genannte "Colonelli von Biedenbach, * um 1622 Trauenfels" Felix Bidenbach von Treuenfels, * 1617, Oberst in Darmstadt, der sich in Klein-Zimmern ansiedelte. Unter 6978/6979 wird der Karl Reh behandelt, der als Kaufmann 1853 von Bensheim nach Dieburg kam. Der Pate seiner jüngsten Tochter Emma (1871) war nicht der Sohn Ludwig von Friedrich "Treuling", sondern "Reuling", dem Schwager von Karl Reh, der bei Theodor Friedrich, Rehs zweitem Sohn, 1854 richtig als Pate genannt wird.

Eine Auswertung dieser Menge an Daten ist offenbar nicht begonnen worden. Allerdings zeigt sich beim Studium der 'größeren' Familien, daß diese noch nicht vollständig genealogisch miteinander verknüpft wurden. Stets wandern noch weitere Personen gleichen Namens im 17. und 18. Jahrhundert zu (wohl oft Verwandte) oder die Kirchenbücher wurden lückenhaft geführt. Als Beispiel sei hier der Name Euler gewählt, eine Ableitung von Ulner-Hafner. Für die frühe Zeit ergibt sich: Die Familien Euler gehören zu den alten Dieburger Familien. Der 46 Jahre alte Bäcker Peter Euler war 1609 Musektier und der 35 Jahre alte Peter Euler war Hellebardier. Der 47 Jahre alte Michael Euler war 1609 Musektier und 1618 Pate bei Johannes, dem Sohn des Johannes Euler. 1605 war schon der Gastwirt Jakob Euler Ratsherr (Senator), 1617 Hospitalis und 1615 Pate bei Jacobus Ungen und 1617 bei Jacobus Richter. Der genannte Michael ließ 1600 bzw. ca. 1604 die Söhne Adam und Georg in Dieburg taufen, die beide sehr jung 1616 bzw. 1612 Paten waren. Zur gleichen Zeit lebte noch Werner Euler in Dieburg, 1609 ein 35jähriger Musketier, der mit Margarethe (1612 Patin) verheiratet war und die Kinder Catharina (1615 Patin) und Caspar ca. 1602 und 1603 taufen ließ. Caspar (Olschewski Nr. 2191) hatte mit Margaretha die Kinder Anna Margaretha (1630) und Johannes Adam (1633). Adam und Agnetia Euler lassen 1618, 1622 und 1625 die Kinder Johannes Adam, Wendelin und Anna Margaretha taufen. Bei Johannes Adam war der Amtmann Adam Schmick, bei Anna Margaretha Johannes Gernand Ulner von Dieburg Pate. Wendelin wurde Schmied und setzte die Familie fort. Der Vater Adam heiratete in zweiter Ehe vor 1627 eine Christina aus Worms, die in Münster bei Dieburg am 7.11.1687 begraben wurde. Deren Kinder waren Anna Maria (1627, Pate war u.a. Anna Maria von Groschlag, geb. von Hagen), Maria Barbara (1628, Patin war Jgfr. Maria Barbara von Dalberg) und Michael (1631, Pate war der Rektor und Hospitalis Michael Weis). Georg und Brigitta Euler haben 1621, 1623 und 1627 drei Kinder taufen lassen: Johannes Georg, Catharina und Anna (Patin war Anna, die Witwe des Michael Euler). Johannes und Maria Eva Euler lassen 1624, 1630 und 1633 die Kinder Magdalena, Johannes I und Johannes II taufen, und der Schneider Markus (+ Dieburg 14.12.1669) und Elisabeth Euler lassen zwischen 1625 und 1631 die Kinder Anna, Adam, Nikolaus und Margarethe taufen. Eine weitere Familie Euler aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg gründeten Jakob (Olschweski 2189 u. 2192) und Margaretha Euler, die 1626 Margaretha und 1628 Caspar taufen lassen. Olschewski gibt an, dieser Jakob habe in zweiter Ehe Catharina geheiratet und mit ihr die Kinder Anna (1630) und Caspar (1633).

Neben Nikolaus Euler (1610 in Münster geboren) mit den Kindern Margaretha (1636-1689) und Elisabeth (* 1649) und Sebastian (verh. mit Margaretha, Sohn Nikolaus getauft 1633) führt Olschewski nun vier weitere „Adam Euler“ auf, die alle zwischen 1607 und 1615 geboren waren. Der erste Adam hatte mit Anna (begr. 1686) den Sohn Peter (1631-1686, Töpfer und Ratsherr mit Nachkommen) und die Tochter Margaretha (1633). Der zweite Adam hatte mit Margaretha die Kinder Margaretha (1633) und Michael (1639). Der dritte Adam hatte mit Anna die Kinder Margaretha (1633) und Catharina (1637). Der vierte Adam wurde Ratsherr und hatte auch eine Tochter Margaretha, die er 1641 taufen ließ. Hier bemerkt Olschewski: „Es ist schwer, die einzelnen Adam Euler zu sortieren, da [hier] keine Ehefrau dabei steht.“ Zu allen den genannten Kindern, auch den vier Margarethen konnten keine weiteren Daten angegeben werden. Die Dieburger Kirchenbücher bieten hier keine Aufklärungsmöglichkeit und weitere Quellen wurden noch nicht benutzt. Als eigentliche Stammväter der Familie Euler in Dieburg konnten daher nur Wendelin und Peter namhaft gemacht werden. Aber auch in Münster gab es Familien Euler, u.a. Heinrich, der mit Judith 1653 bis 1669 sieben Kinder taufen ließ. Auch die vielen offenen Schicksale dieser Kinder lassen sich mit den Kirchenbüchern in Dieburg nicht klären.

Der Schmied Wendelin Euler (1622-1684) heiratete vor 1642 Catharina NN. Aus dieser Ehe stammen elf Kinder, darunter Elisabeth (1648-1710, verh. mit Nr. 82), Anna Margaretha (1653, verh. mit Nr. 7045), Johannes (1660-1741, Schmiedemeister, Schöffe in Dieburg), Johannes Wendelin (um 1665-1693, in Münster), Elias (1666-1734, Bäcker, Ratsherr in Dieburg), Heinrich (1671) und Anna (1674-1742, verh. mit Nr. 8030 u. Nr. 5674). Der Töpfer Peter Euler (1631-1686), 1668 auch Ratsherr, hatte aus zwei Ehen mit Susanna Maria (ca. 1633-1672) und Magdalena Wilhelm aus Nierstein acht Kinder, darunter Gertrud (1661, verh. mit Nr. 5581), Anna Barbara (1670, verh. mit Nr. 9282 u. 9197), Johannes Kilian, Heinrich Adam und Adam (* 1677, 1680, 1684). Aus Eppertshausen stammte ein zweiter Wendelin Euler. Er war der Vater des Dieburger Schultheißen Adam Euler (* E. um 1648), der mit Magdalena Heinrich (aus Klein-Zimmern, begraben Münster 1694) den Sohn Philipp (1685, in Münster) hatte.

Eine knappe Einleitung gilt der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Dieburg. Eine Auswertung des famosen Werkes von Eckhart G. Franz über den jüdischen Friedhof in Dieburg fand allerdings merkwürdiger Weise nicht statt. Das Buch von Eckhart G. Franz wurde in der HFK 32, 2009, Sp. 245-248 mit biographischen Angaben zu ca. 50 Personen ausführlich vorgestellt. Vielmehr wurden hier im Buch offenbar (ausschließlich) die Standesregister für den Zeitraum 1875 bis 1900 ausgewertet. Der Beitrag des früheren Vorsitzenden der HfV Frieder Boss, Die Dieburger Massenauswanderung 1846 (in: Hessische Familienkunde Bd. 23, 1996-97, S. 27-31) wurde wohl berücksichtigt aber nicht erwähnt. Durch den HFK-Beitrag von Rudolf Kettler über die „Burg“ in Klein-Zimmern (Bd. 23, 1996/97, Sp. 52-54) hätte u.a. zur Familie von Sell einiges erwähnt werden können. Der in der AT von Klaus Wilhelm (HFK 34, 2011, Sp. 171) genannte Josef Weber, * 1745, Soldat in Pirmasens ist unter seinen dort angegebenen Eltern (Nr. 9340) Johannes Valentin und Elisabeth Nerwein nicht aufgeführt. Aber diese Hinweise sollen den ungewöhnlichen Fleiß, der in dem Buch steckt, nicht verwischen. Mit drei Registern der Namen, Orte und Berufe (bei denen die Zeugen- und Patenangaben leider nicht berücksichtigt wurden, und für die man reihenweise interessante Hinweise findet) ist nun für eine wichtige kurmainzische Landstadt vorwiegend katholischer Bevölkerung ein sehr wichtiges genealogisches Werk geschaffen.

Lupold v. Lehsten, in: Hessische Familienkunde Bd. 38, 2015, Sp. 50-53.

© 2009-2026 DAGV | ge-webdesign |