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Böhl

Winfried Seelinger, Familienbuch Böhl. 16. bis 20. Jahrhundert. Deutsche Ortssippenbücher R. B Nr. 426, Böhl-Iggelheim: Gemeinde Böhl-Iggelheim und der Autor [winfried (at) seelinger.de], 2011, geb., 960 S., Abb.

Der Verf. gibt am Ende seines Werkes an, welche anderen OFB er genutzt hat. Hier kann man einen enormen Zuwachs in den letzten zehn Jahren feststellen: Er selbst veröffentlichte 1994 Dannstadt-Schauernheim, 1998 Hochdorf-Assenheim und 2004 Alsheim-Gronau und Rödersheim. 2001 und 2006 kamen die zwei Bände Schifferstadt von Johann Benedom heraus. Von diesem stammt auch die Bearbeitung von Iggelheim (2009). Hildegard Kästel bearbeitete die Familien der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul in Geinsheim in drei Bänden. Theodor Frosch veröffentlichte Neuhofen 1997. 1998 erschienen von Paul Schwaninger Waldsee und von Erich Schneider Altrip. 2002 folgte von Walter Sattel Maxdorf. 2004 erschien von Erwin Franz Ofer Dudenhofen und von Karl Schuhmann Schriesheim, 2007 von Wilfried Birkle Harthausen. 2009 konnten Ute Keppel und Werner Esser die Ortsfamilienbücher Kandel und Minfeld herausbringen. 2010 veröffentlichte Günter Schäfer St. Martin. Noch in Arbeit befindet sich von August Gerlinger Duttweiler und von Alban Berthold Mutterstadt.

Das vorliegende OFB von Böhl, einem Ort zwischen den fünf Städten Neustadt/Weinstraße, Ludwigshafen, Speyer, Bad Dürkheim und Frankenthal, der seit 1969 mit Iggelheim zusammengefügt wurde, umfaßt die jüdischen Einwohner (44 Familien der Namen Bender, Cahn, Gerson, Isaac, Jakob, Joseph, Löb, Mayer, Reinhard, Reis, Salomon, Schwarz, Stern und Wolf), die reformierten, lutherischen und die katholischen. Die reformierten und lutherischen Kirchen sind seit 1818 uniert, die ca. 1694 neu gegründete katholische Gemeinde wurde am 1.11.2010 durch Versetzung des letzten Geistlichen, Stefan Czepl, ausgesetzt. Bis 1798 wurden die kirchlichen Beurkundungen genutzt, seit dieser Zeit die zunächst französischen, dann bayerischen (die die französischen fortsetzten), dann pfälzischen Standesamtsunterlagen. Die Daten im OFB reichen soweit ersichtlich vollständig bis in die allerjüngste Zeit. Das OFB Böhl wurde mit einem Genealogie-Programm erstellt. Der Ausdruck sortiert nach Alphabet der Zunamen und dann nach Heiratsdatum. In Anbetracht des rasanten Wachstums der Bevölkerung in jüngerer Zeit betreffen die meisten der 3430 Nummern Personen des späten 19. und 20. Jahrhunderts. Die Darstellung der Datensätze ist sehr schematisiert und verbraucht daher reichlich Platz, ist aber dabei sehr übersichtlich. Paten werden leider nicht angegeben, zusätzliche Angaben über die Kirchenbuchdaten und Filiationsangaben hinaus sind relativ spärlich.

Im Vorwort schreibt der Verf. "Das Buch soll uns Auskunft geben über einige Fragen: Wer waren diese Leute, die in früherer Zeit in unserem Ort wohnten? Wie hießen die ältesten Familien des Ortes? Wann kamen andere noch heute im Dorf lebende Personen hinzu? Woher kamen diese neuen Familien? Wohin zog es Familien, die den Ort wieder verließen oder gar auswanderten. Welche Berufe hatten die früheren Bewohner?" (S. 10). Das Buch gibt zwar das Material für die Antworten auf solche Fragen. Aber angesichts lediglich von Namen- und Ortsregistern muß sich der Leser diese selbst in Kleinarbeit heraussuchen. Wir haben beim Durchschauen schon einige Angaben zusammengestellt: Die häufig vorkommenden Familiennamen bzw. die 'großen' Familien im Ort sind die reformierten Andres (aus Edingen, seit ca. 1720), Anton (1712, aus Franken), Bender (aus Oberlustadt), Brendel, Christ, Crolly (hier Schulmeister, Waldschütz u. -hüter, Bahnarbeiter, Eisenbahnstationsvorwalter), Eitzer (aus Ruchheim), Flockert (aus Walsheim), Freundlich, Grael/Grähl (Crauel, Crewel, seit dem 16. Jh. in Böhl), Gross (seit dem 16. Jh. in Böhl), Gummer (Gummersheimer), Hauck (schon im 16. Jh. in Böhl), Herrmann, Hügly (aus Meckenheim), Keck (aus Ruchheim), König (1690 Bürgermeister), Lützel, Mattern, Müller, Portune, Remle (Römli, Römmele, aus Haßloch), Renner (aus Meckenheim), Reyer (Rheyer, Royer, aus Ladenburg), Rieger, Schlenz/Schlentz (aus Hockenheim), Tavernier (aus Alsheim-Gronau), Umstädter/Umstätter, Volkmer/Volckmar (seit 1700 in Böhl), Wirth/Würth (diese Familie ist schon im 16. Jh. in Böhl nachweisbar, Georg Würth war 1687 Bürgermeister und 1700 Dorfmeister, sie erlosch in Böhl mit Philipp Wirth 1959); die lutherischen Blum (Blumm), Bummel, Diehl, Hass (Haas, aus Brockau im Vogtland), Kindsvater, Metzger (1683 ein Bürgermeister), Schäffer, Scheffelmayer, Schlenz/Schlentz (aus Hockenheim), Schneeberger (aus Obermodern). Die katholischen Familien in Böhl waren u.a. die Barbiere Blanz, Grill, Hery/Höry, Magin, Mattern (manche Bürgermeister, Kirchen-Juraten), Oberbeck, Schäffer, Seeber (aus Duttweiler), Seelinger (aus Hochdorf), Weiss, die katholischen Pfarrer waren u.a. Pfarrer Philipp König (1517-1528), Joseph Ignatius (1738-1762, aus Waldsee, + 1794), Conrad Comes (1770/75), Georg Philipp Siegfried (1842-1911), Joseph Matthias Katterfeld (1809-1890, aus Dianaberg in Böhmen, seit 1877 in Böhl), Valentin Luttenberger (1851-1914, aus Großkarlbach, 1909-14 in Böhl), Johannes Huber (1898-1980, aus Kaiserslautern).

Genannt werden sollen auch: Karl Raimund Arsolini, 1774-1808, aus Bergzabern, Gerichtsschreiber, verh. mit Franziska Piot. Dr.med. Johann Heinrich Benker, 1868-1936, aus Kirchenlamitz bei Wunsiedel, Arzt, Sanitätsrat; verh. mit Sophie Schäfer, 1871-1936, aus Heidelberg. Postexpediteur in Böhl Philipp Jakob Biebel, + 1859 aus Forst bei Deidesheim; verh. mit der Postexpediteurin in Böhl Margaretha Gies, 1827, aus Hauptstuhl. Der Glaswarenfabrikant Otto Richard Büch, 1895-1944, aus Zützer in Westpreußen, verh. mit Else Elisabeth Kottmann, 1900-1944, aus Frankfurt am Main und ihre Tochter Jutta, die auf dem Bahnhof von Böhl durch Fliegerangriff ums Leben kamen. Johannes Fink, 1811-1878, aus Fußgönheim, war Lehrer in Böhl, Gründer des MGV 1856 Böhl, und dreimal verheiratet, 1839 mit Elisabeth Herr (Heer), 1848 mit Anna Margaretha Gross und 1854 mit deren jüngerer Schwester Katharina Barbara Gross. Aus der ersten Ehe hatten Georg (1840-68, folgt seinem Vater als Lehrer in Böhl, verh. mit Eva Herr aus Eppelsheim) und Maria (1843-1871, verh. mit dem Bahnhofsaufseher in Ludwigshafen Matthias Hauck, aus Böhl) Nachkommen, aus der zweiten Ehe Katharina (1849, verh. mit Jakob Baum und Mutter des Lehrers Johannes Baum in Groß-Rohrheim) und aus der dritten Ehe Ludwig (1861, Kaufmann, verh. mit Emilie Dupont aus Westhofen) und Philipp (1863-1929, Sattlermeister in Böhl, verh. mit Katharina Remle, 1868-1918). Johanna Fink, die Tochter des Philipp heiratete ihren Vetter Jakob Baum (s.o.), ihr Bruder Johann Ludwig Fink (1889-1960) war Geschäftsführer der Raiffeisenkasse. Luise Margarethe Holch, geb. Loy, starb in Bensheim-Auerbach (nicht "Auerbach/Bensheim") 1994. Ihr Vater war der Postillion und Bahnarbeiter Johann Friedrich Loy aus Falbenthal, Mittelfranken, ihre Mutter Anna Maria Hügly stammte aus Böhl. Tierarzt Dr.med. Markolf Hoefle (1892-1980, aus Schifferstadt, verh. mit Klara Elisabetha Christ, 1901-1981, aus Böhl). Der Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Lützel (1849-1935, ev.) stammte aus Schifferstadt, verh. Böhl 12.5.1883 mit Anna Christ (1862-1944), aus Böhl. Hilda Mathes (1908-1997), Mallerdorfer Ordensschwester, 1933- bis 1987 in Böhl und Leiterin der Nähschule). Apotheker Hermann Walther, 1901-1991, verh. mit Mathilde Auguste Brendel, 1904-2003, aus Böhl. Der Kaufmann Michael Tischbein (* Böchingen 11.8.1863), S.d. Georg Heinrich Tischbein und der Juliana Müller, heiratete in Böhl am 22.2.1894 Anna Gross (* Böhl 16.12.1873, + Oggersheim 1951) aus Böhler Familie. Es gibt Auswanderer nach Nordamerika (z.B. Messerschmidt), Galizien (z.B. Bardua). Für die Familie Serini, die mit Johann Caspar Serini (1784-1857) und Familie in Böhl lebte, hätte auf das Familienarchiv Serini im Institut für Personengeschichte zurückgegriffen werden können. Allerdings sind nirgendwo im Buch Quellen außerhalb der Kirchenbücher nachgewiesen. Das Buch bietet wichtiges Material für die Bevölkerungsgeschichte der Pfalz und dem Ort ein sorgfältiges, umfassendes und würdiges Ortsfamilienbuch.

Lupold v. Lehsten, in: Genealogie 61. Jg., 2012, S. 91-93

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