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Der nunmehr schon 3. Band dieser Reihe ist bisher der umfangreichste. Er erfaßt die Kirchenbucheintragungen von 1574-1693 der Gemeinden bzw. Ortsteile Arnsfeld, Grumbach, Oberschaar, Ober- und Niederschmiedeberg, Satzung, Schmalzgrube und Steinbach, die bis 1693 eine Kirchengemeinde bildeten. Diese Orte liegen auf dem Kamm des Erzgebirges, unmittelbar an der Grenze: Schmiedeberg und Schmalzgrube waren ursprünglich kleine Werksweiler eines Hammerwerkes bzw. einer Schmelzhütte, die besonders böhmisches Eisenerz verarbeiteten, die anderen Orte waren Gebirgsdörfer mit karger Landwirtschaft und zahlreichem Gewerbe bes. der Holzverarbeitung. Der Bergbau, der das Gesicht des Erzgebirges prägte, war hier eher gering. Zahlreich sind die Beziehungen zum benachbarten Böhmen, nicht nur bis zur Gegenreformation, als beiderseits der Grenze evangelische Deutsche wohnten. (Leider gibt es kein Register der „Exulanten“, der wegen des Glaubens im Verlaufe der katholischen Gegenreformation aus Böhmen Vertriebenen, die im Bereich der Arnsfelder Kirche ansässig wurden.)
Die Bevölkerung ist einerseits bodenständig, was u. a. aus den vielen Familien gleichen Namens gefolgert werden kann, wie z.B. Bräuer (87), Lorenz (85), Nestler (103), Siegel (104), Siegert (113), andererseits gab es zahlreiche Fluktuationen bes. durch Bergbau und Metallurgie und durch den Wegzug von Kindern, die auf den kleinen elterlichen Bauernhöfen und im Dorf keine Beschäftigung fanden. Diese Abwanderungen machen diese Gebirgsdörfer darum für viele Genealogen interessant, findet doch so mancher eine seiner „Ahnenwurzeln“ hier im Gebirge. Besonders stark waren offensichtlich diese Zu- und Abwanderungen bei den verschiedenen Schmiedeberufen (bes. bei Gleicher, Blech-, Hammer- u. Herdschmieden) und bei Müllern.
Im Familienbuch Arnsfeld werden immerhin über 2500 Familien nachgewiesen, die in diesen etwa 120 Jahren hier gewohnt und gelebt haben. Das Buch enthält neben dem Hauptteil, den alphabetisch geordneten Familienzusammenstellungen und umfangreichen Hinweisen für den Benutzer ein Verzeichnis der in den verschiedenen Pestjahren an dieser Seuche verstorbenen Einwohnern (mit einer besonders hohen Sterberate im Pestjahr 1613) sowie ein Verzeichnis der Berufs- und Standesbezeichnungen, ein Ortsregister und ein Register der Familiennamen. Das Ortsregister umfaßt – als Indiz für die Unabgeschlossenheit der Bevölkerung dieses eigentlich hinsichtlich seiner Gebirgslage relativ abgeschlossenen Gebietes – über 250 Orte.
Die umfassenden und gut redigierten Register erleichtern die Arbeit mit dem Familienbuch und erschließen in vielfältiger Hinsicht den Textteil, der in bewährter Weise wie die vorangegangenen Bände aufgebaut ist.
Wolfgang Lorenz, in Familie und Geschichte, 5. Jahrgang, Heft 4 (1996) S. 383-384