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Martina Gutsch, Thomas Wacker, Familienbuch von Altenroda bei Nebra (Sachsen-Anhalt) für die Jahre 1691-1937 Gebundene Ausgabe, Umfang: 222 Seiten, Format: DIN A4 Hardcover, Reihe Dt. OFB/OSB: 00.857, ISBN: 978-3-86424-220-5, Cardamina Verlag, Plaidt 2014, 27,00 €
Die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern stellt zweifellos die bedeutendste Leistung der mitteleuropäischen Genealogen dar. Bisher haben die Familiengeschichts- und Heimatforscher Bücher von mehr als 2000 Gemeinden des deutschsprachigen Raumes drucken lassen, eine ähnlich große Zahl dürfte bereits in Form von Dateien, Familienkarteien oder handgeschriebenen Familienbüchern vorliegen und früher oder später gedruckt werden, tausende weitere Gemeinden sind noch unbearbeitet. Wer seiner Heimat und sich ein Denkmal setzen will, dem steht somit noch ein weites Betätigungsfeld offen. Neben dem unmittelbaren Ertrag für die Familien- und Lokalgeschichte ist jedes neue dieser Bücher ein Baustein, mit der die Vision einer Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des historischen deutschen Siedlungsraumes in der Neuzeit auf der Grundlage von repräsentativen Stichproben aus Ortsfamilienbüchern verwirklicht werden kann. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür wurden schon vor 20 Jahren an der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig geschaffen, in einem Projekt, das damals von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert worden ist, aber bis heute seiner Vollendung harrt.
Die Arbeiten an diesen Büchern begannen bereits vor mehr als 200 Jahren, als z. B. in Württemberg angeordnet wurde, die Kirchenbücher familienweise zu führen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Pfarrer, in Hessen, in Wallis, aber verstreut auch in vielen anderen Gegenden, die Anleitungen veröffentlichten, wie man aus ursprünglich für Taufen, Beerdigungen und Heiraten getrennt geführten Kirchenbüchern Familienbücher zusammenstellen sollte. Um 1900 erschienen dann die ersten gedruckten, methodisch ausgereiften Ortsfamilienbücher, deren Zahl sich seither von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verdoppelt..
Bei der Neubearbeitung dieses Ortsfamilienbuches für Altenroda wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, Martin Rost (1901-1978), den Verfasser der 1939 gedruckten Urfassung zu würdigen. Seinen Namen vermisse ich auf dem Titelblatt. In der Deutschen Zentralstelle für Genealogie befindet sich ein von ihm selbst verfaßtes Manuskript aus dem Jahre 1978: 'Leben und Arbeit im Dienst der Kirche und ihren Chroniken und Kirchenbüchern'. Er verstand seine Arbeit an den Dorfsippenbüchern Altenroda und Großwangen (1939) nicht als ein Beitrag zum Zeitgeist des Nationalsozialismus, sondern als einen zeitlosen Beitrag zur Heimatgeschichte. Als Sohn des Pfarrers von Altenroda fertigte der die Manuskripte für die Familienbücher der beiden genannten Orte bereits als Gymnasiast an, also etwa um 1917. Weitere Gemeinden, die er später bearbeitet hat, blieben bisher ungedruckt.
Wie bei den von Thomas Wacker im Cardamina-Verlag herausgegebenen Ortsfamilienbüchern Mitteldeutschlands gewohnt, besticht das preiswerte Buch im A4-Format durch zweispaltigen Druck des Familienteils (mit 2250 Familien) und in der Neubarbeitung durch sehr gute Register mit den Doppelverknüpfungen von Familiennamen mit Orten und Orten mit Familiennamen. - Der auch noch im Buch enthaltene Index aller Namen wäre damit überflüssig, ebenso die Angabe ev., die nur bei Ausnahme davon eine notwendige Information wäre. ' Altenroda könnte mit A. abgekürzt werden. Die Ortsangabe ebd. ist ein Ärgernis. ' Diese kritischen Anmerkungen an technischen Einzelheiten mindern aber den Gebrauchswert des Buches in keiner Weise.
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