*) Hierzu bitte im Mitgliederbereich anmelden.
Aktuelle Artikel im Blog:

In der Stadt Münster erscheint seit 2001 das „Häuserbuch“, das die Geschichte einzelner Häuser und Straßenzüge der Stadt erzählt. In dieser Reihe ist nun erstmals ein Band zu einem ganzen Stadtteil und ehemaligen Dorf erschienen: zum Kirchspiel Albachten. Für jedes Haus und jeden Bauernhof des Kirchspiels haben die Familienforscher Josef Häming und Volker Wilmsen sämtliche Namen und Familiendaten zusammengetragen. Wer meint, das sei etwa so spannend wie die Lektüre des Telefonbuchs von Bielefeld oder Dortmund, der irrt. Denn die Einträge verraten viele Details zum Alltags- und Familienleben des ländlichen Münsterlandes und auch zur Geschichte der Landwirtschaft. Besonders wertvoll ist die kundige Einleitung, die die Quellen zur Familiengeschichte in Westfalen (Hofakten, Bevölkerungslisten, Grundbücher, Strafregister, Auswandererakten) vorstellt.
Rezension von G. Strotdrees, erschienen im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (Münster), Folge 5/2015 – veröffentlicht mit Genehmigung der Redaktion.
Die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern stellt zweifellos die bedeutendste Leistung der mitteleuropäischen Genealogen dar. Bisher haben die Familiengeschichts- und Heimatforscher Bücher von mehr als 2000 Gemeinden des deutschsprachigen Raumes drucken lassen, eine ähnlich große Zahl dürfte bereits in Form von Dateien, Familienkarteien oder handgeschriebenen Familienbüchern vorliegen und früher oder später gedruckt werden, tausende weitere Gemeinden sind noch unbearbeitet. Neben dem unmittelbaren Ertrag für die Familien- und Lokalgeschichte ist jedes neue dieser Bücher ein Baustein, mit der einmal die Vision einer Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des historischen deutschen Siedlungsraumes auf der Grundlage von repräsentativen Stichproben aus einer großen Zahl von Ortsfamilienbüchern verwirklicht werden kann.
Voraussetzung dafür ist aber eine entsprechende Qualität der gedruckten Ortsfamilienbücher. Während bei Ortsfamilienbüchern der 1. Generation nur die Kirchenbücher ausgewertet werden, streben Bücher der 2. Generation, wie das vorliegende, die Totalauswertung aller personenbezogenen Quellen an. Das Ergebnis ist hier eine Kombination von Häuserbuch und Ortsfamilienbuch, bei der die Familien den Häusern zugeordnet und über die Hausnummern miteinander verknüpft sind. Das ist eine brauchbare Variante, vielleicht hätte aber eine zusätzliche laufende Numerierung der Familien zur besseren Benutzbarkeit beigetragen. Wenn die Familien aber nicht, wie sonst üblich, alphabetisch geordnet sind, dann ist ein alphabetisches Register, wenn schon nicht aller Einzelpersonen, dann doch wenigstens aller Ehepartner, unerläßlich. Und das Fehlen eines solchen Registers ist leider der Schwachpunkt dieses an und für sich monumentalen Buches. Auch den vorhandenen Registern fehlt es an den zweckmäßigen Verknüpfungen von Namen mit Ort und Ort mit Namen; ein Berufe- und Standesregister fehlt völlig.
Die verwendeten Quellen werden in ihrer Aussagekraft ausführlich beschrieben, so daß das Buch auch noch ein wertvolles quellenkundliches Werk ist, an dem man sich weiterbilden kann. Sieht man über die Mängel der Register hinweg, dann handelt es sich um eine überragende Fleißarbeit der beiden Verfasser und auch von Seiten des Verlags mit diesem Preis um eine Edition, die große Anerkennung verdient.
Rezension von Volkmar Weiss am 26. Januar 2016 bei Amazon.de